Weiterbildungsangebote, Praxistipps und Expertenmeinungen bequem per E-Mail – für einen leichteren Alltag!
Der sogenannte Laissez-faire Führungsstil wirkt auf den ersten Blick wie die ideale Antwort auf moderne Arbeitswelten, bietet er doch maximale Freiheit, Eigenverantwortung und Motivation für Mitarbeitende. Doch genau hier liegt auch ein Spannungsfeld. Denn was als Vertrauen gedacht ist, kann schnell als fehlende Führung wahrgenommen werden. Zwischen Freiheit und Kontrollverlust verläuft beim Laissez-faire Leadership also eine schmale Grenze. In Zeiten von New Work, agilem Arbeiten und dem Wunsch nach mehr Selbstorganisation gewinnt ein lockerer Führungsstil zwar an Relevanz, mit ihm steigt aber auch das Risiko von zunehmender Orientierungslosigkeit, sinkender Mitarbeiterbindung und unklaren Verantwortlichkeiten.
Wir zeigen Ihnen deshalb, wo die wahren Stärken und Schwächen der Laissez-faire Führung liegen und wann dieser Führungsstil in der Praxis sinnvoll eingesetzt werden kann, inklusive konkreter Tipps für die Anwendung in Ihrem Führungsalltag.
Übrigens: Vertiefen Sie Ihre Führungskompetenzen in unseren praxisnahen Führungskräfte-Seminaren.
Der Begriff „Laissez-faire“ stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt „machen lassen“. Im Kontext der Mitarbeiterführung ist mit dem Laissez-faire Führungsstil also ein lockerer Führungsstil gemeint, bei dem Führungskräfte bewusst auf die direkte Steuerung verzichten und ihren Mitarbeitenden weitgehende Entscheidungsfreiheit einräumen. Führungskräfte greifen dabei nur minimal in Arbeitsprozesse ein und definieren lediglich grobe Rahmenbedingungen und Ziele, während die Umsetzung vollständig in der Verantwortung der Mitarbeitenden liegt.
Typische Merkmale der Laissez-faire Führung sind:
Hohe Eigenverantwortung der Mitarbeitenden
Kaum Kontrolle oder Feedback durch die Führungskraft
Große Entscheidungsfreiheit im Daily Business
Geringe Hierarchien und bewusst reduzierte Machtausübung
Selbstorganisierte Teams
Darauf gehen wir weiter unten noch detaillierter ein.
Laissez-faire Leadership wird häufig als Gegenpol zum autoritären Führungsstil betrachtet – und steht damit sinnbildlich für das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Vertrauen. Aber wo kommt das Laissez-faire Prinzip überhaupt her?
Der Laissez-faire Führungsstil hat seinen Ursprung tatsächlich in der klassischen Führungsstilforschung, insbesondere in den Arbeiten von Kurt Lewin in den 1930er-Jahren. Der deutsch-amerikanische Psychologe, der als einer der Begründer der modernen Führungsforschung gilt, unterschied in seinen Studien zwischen drei grundlegenden Führungsstilen:
Während der autoritäre Führungsstil auf Kontrolle basiert und der kooperative Führungsstil auf Beteiligung setzt, steht das Laissez-faire Prinzip für maximale Freiheit.
Um den Laissez-faire Führungsstil noch besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf seine zentralen Eigenschaften. Laissez-faire Leadership zeichnet sich vor allem aus durch:
Starke Delegation ohne Kontrolle:
Die Führungskraft überträgt Aufgaben, zieht sich danach aber vollständig zurück. Es fehlen klare Erwartungen, Zwischenabstimmungen oder Erfolgskriterien. Was als Vertrauen gemeint ist, wird im Alltag schnell als Desinteresse oder Orientierungslosigkeit wahrgenommen. Mitarbeitende müssen Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind.
Minimale Intervention:
Führungskräfte greifen nur im Notfall ein. Im Alltag bedeutet das: Entscheidungen werden nicht aktiv begleitet, Probleme oft erst spät adressiert und Entwicklungen kaum gesteuert. Das kann Teams Freiraum geben, birgt aber die Gefahr, dass Fehlentwicklungen zu lange unbemerkt bleiben.
Hohes Maß an Selbstorganisation:
Teams organisieren sich eigenständig. Aufgabenverteilung, Priorisierung und Abstimmung erfolgen ohne zentrale Steuerung durch die Führungskraft. Das funktioniert vor allem bei eingespielten Teams, aber weniger bei neuen oder heterogenen Gruppen.
Individuelle Arbeitsweisen:
Mitarbeitende entscheiden selbst über die Arbeitsmethoden und gewählten Vorgehensweisen. Das fördert Kreativität und Effizienz, kann aber auch zu Inkonsistenzen führen, wenn gemeinsame Standards fehlen. Insbesondere Vertretungssituationen können so zu einem Problem werden.
Wenig Feedback:
Mitarbeitergespräche und konstruktive Kritik finden beim Laissez-faire Leadership eher selten statt. Dadurch fehlt häufig Orientierung für Entwicklung und Leistung, ein zentraler Schwachpunkt dieses Führungsstils.
Diese Merkmale machen deutlich: Laissez-faire Führung bewegt sich konstant im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Überforderung. Ob daraus Höchstleistung oder Chaos entsteht, hängt stark von den Rahmenbedingungen ab.
Wie deutlich sich der Laissez-faire Führungsstil von anderen Führungsansätzen unterscheidet, zeigt sich erst im direkten Vergleich mit gängigen Führungsstilen.
| FÜHRUNGSSTIL | STEUERUNG | EINBINDUNG | FEEDBACK | WIRKUNG |
| Laissez-faire Führungsstil | Gering | Hoch | Kaum | Hohe Freiheit und starkes Risiko von Orientierungslosigkeit |
| Autoritärer Führungsstil | Hoch | Gering | Top-down | Klare Strukturen und geringe Eigeninitiative |
| Kooperativer Führungsstil | Mittel | Hoch | Regelmäßig | Hohe Motivation und gute Zusammenarbeit |
| Transformationale Führung | Mittel | Hoch | Inspirierend | Hohe Motivation und viel Innovation |
| Servant Leadership | Mittel | Hoch | Unterstützend | Starke Mitarbeiterbindung |
Ein Blick auf die Tabelle zeigt schnell, dass das Laissez-faire Prinzip beim Thema Freiheit am weitesten geht und gleichzeitig besonders anfällig für Kontrollverlust ist, wenn die Führungsarbeit komplett ausbleibt. Wichtig ist also, abzuwägen, wann diese Art der Führung auch wirklich angebracht ist. Dabei hilft es, die Vor- und Nachteile der Laissez-faire Führung gegenüberzustellen.
Übrigens: Wenn Sie die verschiedenen Führungsansätze noch besser miteinander vergleichen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Beitrag „Führungsstile Übersicht: Wie sieht zeitgemäße Führung aus? Und welche Führungsart passt zu Ihnen?“
Ob und wann ein lockerer Führungsstil wirklich sinnvoll und angebracht ist, hängt stark vom jeweiligen Kontext ab. Wägen Sie deshalb vor seinem Einsatz unbedingt die Vor- und Nachteile für sich und Ihr Team ganz genau ab.
Hohe Mitarbeitermotivation durch Autonomie
Gezielte Förderung von Kreativität und damit auch Innovation
Wirksame Stärkung der Eigenverantwortung und mögliche Förderung der Resilienz
Schnellere Entscheidungsprozesse ohne Abstimmungsschleifen
Attraktives Führen von erfahrenen Fachkräften, weniger von jungen oder neuen Mitarbeitenden
Hier zeigt sich die positive Seite der Freiheit: Mitarbeitende können ihr Potenzial voll entfalten, ohne durch starre Vorgaben eingeschränkt zu werden. Schauen wir auf die andere Seite.
Fehlende Orientierung und Zielvorgaben
Eher Schwierigkeiten bei der Mitarbeiterbindung
Unbemerkte und ungelöste Konflikte im Team
Mangelndes Feedback und fehlende Entwicklungsmöglichkeiten
Überforderte Mitarbeitende oder gar Teams
Hier zeigt sich die Kehrseite: Ohne Orientierung kann Freiheit schnell zur Überforderung werden, insbesondere für weniger erfahrene Mitarbeitende.
Ob der Laissez-faire Führungsstil funktioniert, entscheidet sich an der Grenze zwischen Vertrauen und Führungslosigkeit. Deshalb sollte sein Einsatz immer bewusst und situationsabhängig erfolgen.
Der Einsatz des Laissez-faire Führungsstils ist geeignet, wenn:
Teams über hohe fachliche Kompetenz verfügen,
Mitarbeitende gut eigenständig arbeiten können,
Klare Ziele definiert wurden,
Vertrauen und Unternehmenskultur gefestigt sind und
Innovative oder kreative Aufgaben im Vordergrund stehen.
Weniger geeignet ist der Ansatz, wenn:
Neue Mitarbeitende eingearbeitet werden,
Klare Strukturen im Team fehlen,
Bereits Konflikte im Team vorherrschen und
Hohe Abstimmungsbedarfe bestehen.
In diesen Fällen sind andere Führungsstile, etwa der kooperative oder transformationale Ansatz, oft effektiver.
Damit der Laissez-faire Führungsstil funktioniert, müssen Sie für die passenden Rahmenbedingungen sorgen:
Nehmen wir an, ein erfahrenes Projektteam in einem IT-Unternehmen erhält maximale Freiheiten, das heißt, keine festen Abstimmungen, kaum Kontrolle, volle Eigenverantwortung. Anfangs steigt dadurch die Motivation bei den Mitarbeitenden, doch nach wenigen Wochen zeigen sich erste Risse:
Prioritäten werden unterschiedlich interpretiert und verfolgt
Konflikte bleiben unausgesprochen und gefährden die Teamarbeit
Deadlines werden verpasst und Ziele nicht erreicht
Die Führungskraft greift hier viel zu spät ein. Das Ergebnis ist Frustration im Team und eine sinkende Leistung.
Die Learnings: Laissez-faire funktioniert nur, wenn Ziele klar sind, Kommunikation aktiv gefördert wird und Führung bei Bedarf sichtbar bleibt. Sie müssen also für den nötigen Rahmen sorgen.
Der Laissez-faire Führungsstil ist leider nicht immer eine bewusste Entscheidung, sondern häufig auch ein unbeabsichtigtes Verhalten, in das Führungskräfte hineinrutschen. Insbesondere neue oder junge Führungskräfte sollten sich diese mögliche Gefahr vor Augen führen und bewusst entscheiden, ob der Laissez-faire Stil für sie wirklich der richtige ist.
Viele frisch ernannte Führungskräfte wollen zu Beginn nichts falsch machen, nicht zu viel vorgeben, ändern oder gar kritisieren, aus Angst, direkt als junge Führungskraft abgelehnt zu werden. Statt also klar zu führen, entscheiden sie sich unbewusst für Zurückhaltung. Typische Gründe sind:
Noch Unsicherheit in der neuen Rolle:
Entscheidungen werden vermieden, um keine Fehler zu machen.
Starkes Harmoniebedürfnis:
Konflikte sollen um jeden Preis vermieden werden.
Falsches Verständnis von moderner Führung:
Vertrauen wird mit vollständigem Loslassen verwechselt.
Hoher Respekt vor erfahrenen Mitarbeitenden:
Gerade bei älteren oder fachlich stärkeren Teammitgliedern fällt klare Führung schwerer.
Das führt dazu, dass die Führung nicht aktiv gestaltet, sondern passiv abgegeben wird.
Was als Zurückhaltung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Führungsvakuum. Mitarbeitende erhalten zu wenig Orientierung, Entscheidungen bleiben liegen und Konflikte schwelen im Hintergrund. Gerade in Teams mit unterschiedlichen Generationen, Erfahrungsständen oder Erwartungen führt das häufig zu:
Unklaren Verantwortlichkeiten
Sinkender Mitarbeitermotivation
Versteckten Konflikten
Schwächerer Mitarbeiterbindung
Und das sollte vermieden werden, ansonsten bleibt der Erfolg aus.
Laissez-faire Führung ist kein „einfacher“ Führungsstil, im Gegenteil, er erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, Selbstreflexion und situativer Führungskompetenz. Gerade für neue Führungskräfte gilt deshalb:
Führung heißt nicht, sich zurückzunehmen, sondern bewusst zu steuern
Vertrauen braucht Orientierung
Feedback ist keine Kontrolle, sondern Entwicklung
Wer diese Balance nicht aktiv gestaltet, läuft Gefahr, ungewollt in den Laissez-faire Style zu rutschen, mit allen beschriebenen Risiken.
Der Laissez-faire Führungsstil bietet modernen Organisationen echte Chancen, insbesondere dort, wo Eigenverantwortung, Innovation und Flexibilität gefragt sind. Gleichzeitig bleibt er aber immer auch ein Balanceakt: Zwischen Vertrauen und Kontrollverlust, zwischen Empowerment und Führungsversagen.
Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es deshalb entscheidend, dass Sie den Laissez-faire Stil nicht isoliert betrachten, sondern ihn situativ mit anderen Ansätzen wie der transformationalen Führung oder dem kooperativen Führungsstil zu kombinieren. Wie handhaben Sie das?
Tipp: Bauen Sie Ihre Führungskompetenzen gezielt aus und lernen Sie in unseren Weiterbildungen zum Thema Führungskompetenz verschiedene Führungsstile erfolgreich einzusetzen.
1. Was ist der Laissez-faire Führungsstil?
Beim Laissez-faire Führungsstil handelt es sich um eine Führungsform, bei der Mitarbeitende weitgehend selbstständig arbeiten und Entscheidungen treffen, ohne dass die Führungskraft aktiv eingreift oder klare Vorgaben macht.
2. Welche Vorteile hat der Laissez-faire Führungsstil?
Der Laissez-faire Führungsstil fördert die Eigenverantwortung, Kreativität und Motivation der Mitarbeitenden.
3. Welche Nachteile bringt die Laissez-faire Führung mit sich?
Werden Mitarbeiter einfach laufen gelassen, fehlt häufig die nötige Orientierung und regelmäßiges Feedback, dadurch können Konflikte und Motivationsverlust entstehen.
4. Wann ist der Laissez-faire Führungsstil sinnvoll?
Laissez-faire Führung funktioniert besonders bei erfahrenen Teams mit hoher Selbstorganisation.
5. Wo wird der Laissez-faire Führungsstil angewendet?
Laissez-faire Führung findet vor allem Anwendung in kreativen Branchen, kleinen Start-ups und wissensintensiven Bereichen.
Nutzen Sie die 20 praktischen Tipps, um sich im Führungsalltag souverän zu positionieren, Akzeptanz bei Ihrem Team zu gewinnen und Ihre gemeinsamen Ziele auch wirklich erreichen zu können.

Als Content- und SEO-Expertin mit über 14 Jahren Berufserfahrung gestaltet Martina Eckermann seit dem Startschuss 2017 den Management Circle Blog mit. Ihr Herz schlägt für Themen, die Führung neu denken und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag beleuchten. In ihren Artikeln kombiniert sie kreative Inhalte mit analytischem Tiefgang – von Whitepapern bis hin zu Trendanalysen. Sie verfasst regelmäßig Artikel, die auf fundierter Recherche und Experteninterviews basieren. Dabei ist sie stets auf der Suche nach frischen Impulsen und Entwicklungen, die Führungskräften echte Orientierung im Business-Alltag bieten.
Zum Profil
Kommentare
Keine Kommentare