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Das sogenannte Boreout Syndrom ist als Gegenstück zum Burnout eine noch immer unterschätzte Herausforderung für Unternehmen. Während manche in Ihrem Job unter Dauerstress leiden, sind andere unterfordert, gelangweilt oder können ihre Fähigkeiten nicht so einsetzen, wie sie es sich wünschen. Doch das Problem ist nicht allein die fehlende Beschäftigung, sondern auch sinnlose Routinen, mangelnde Verantwortung und fehlende Entwicklungsperspektiven, die Motivation und Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen können.
Für Sie als Führungskraft sind von einem Boreout betroffene Mitarbeiter häufig schwer zu erkennen, denn die wenigsten werden ihre Unzufriedenheit offen ansprechen. Wer gibt schon gerne zu, kaum etwas bei der Arbeit zu tun zu haben? Hinter der vermeintlichen Arbeitsunlust steckt zudem oftmals eine tiefe Unzufriedenheit – nicht selten ausgelöst durch die von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und hybrider Zusammenarbeit geprägten Arbeitswelt.
Wie also können Sie Boreout Symptome erkennen? Was hilft gegen Langeweile auf der Arbeit? Und wie können Sie einer Unterforderung im Job vorbeugen? Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie die Mitarbeitermotivation durch sinnvolle Beschäftigung wieder gezielt fördern.
Übrigens: Moderne Mitarbeiterführung bedeutet, Menschen weder zu überfordern noch unter ihren Möglichkeiten einzusetzen. Heben Sie deshalb Ihre Führungsfähigkeiten mit den Management Circle Weiterbildungen zum Thema Führungskompetenz auf das nächste Level.
Der Begriff Boreout leitet sich vom englischen Wort boredom ab und beschreibt einen Zustand anhaltender beruflicher Langeweile, zunehmender Unterforderung und fehlender Sinnhaftigkeit.
Um die Boreout Bedeutung klarer zu machen: Übersetzen wir den bekannten Begriff Burnout mit „ausgebrannt sein“, kann die Boreout Übersetzung analog dazu „ausgelangweilt sein“ lauten. Ein Mitarbeiter ist also bored out, wenn er sich durch chronische Langeweile ausgelaugt fühlt.
Wichtig zu wissen ist dabei, dass Menschen auch dann unterfordert sein können, wenn ihr Arbeitstag eigentlich vollständig ausgefüllt ist.
Es gibt zwei Formen der Unterforderung im Beruf:
Stellen Sie sich vor, Ihr Team steckt mitten in einer arbeitsintensiven Phase. Eine Aufgabe folgt auf die nächste. Nur Herr Meyer scheint mit seinen To-dos einfach nicht fertig zu werden. Während sich seine Kollegen in der Mittagspause über das schöne Wetter unterhalten, berichtet Herr Meyer ausführlich darüber, woran er gerade arbeitet. Und wenn am Abend alle erschöpft nach Hause gehen, sitzt er noch immer am Schreibtisch, obwohl seine Aufgaben eigentlich längst erledigt sein müssten.
Was steckt dahinter? Ist Herr Meyer überlastet, schlecht organisiert oder unterfordert?
Tatsächlich kann es vorkommen, dass Beschäftigte wie Herr Meyer versuchen, ihre Langeweile auf der Arbeit zu verbergen, indem sie Aufgaben künstlich in die Länge ziehen oder besonders beschäftigt wirken. Vielleicht hat Herr Meyer zu wenig zu tun, fühlt sich durch seine Tätigkeiten nicht ausreichend gefordert oder befürchtet negative Konsequenzen, wenn er seine Unterforderung offen anspricht.
Doch Vorsicht: Solche Verhaltensweisen sind kein verlässlicher Beweis für Boreout. Als Führungskraft sollten Sie deshalb nicht vorschnell urteilen, sondern das Gespräch suchen und gemeinsam herausfinden, wie Herr Meyer seine Arbeitssituation erlebt.
Gerade geistige Unterforderung im Job kann über längere Zeit frustrierend werden. Wer jeden Tag dieselben einfachen Tätigkeiten erledigt, obwohl er mehr Verantwortung übernehmen könnte, fühlt sich möglicherweise überflüssig.
Nice to know: Boreout ist keine eigenständige, allgemein anerkannte medizinische Diagnose. Boreout Symptome müssen sorgfältig von anderen gesundheitlichen Problemen unterschieden werden.
Nicht jeder Mitarbeiter, der gelegentlich gelangweilt ist, entwickelt eine dauerhafte Problematik. Kritisch wird es, wenn mehrere ungünstige Arbeitsbedingungen zusammentreffen, die von AOK und Techniker Krankenkasse besonders genannt werden:
Monotone Tätigkeiten ohne Abwechslung
Zu wenig Arbeit für Mitarbeiter trotz fester Anwesenheitszeiten
Fehlende Verantwortung und Entscheidungsmöglichkeiten
Geringe Wertschätzung und unzureichendes Feedback
Ungleich verteilte Aufgaben im Team
Fehlende Karriere- und Weiterbildungsperspektiven
Unklare Ziele und mangelnde Sinnhaftigkeit
Zunehmende Digitalisierung, ohne neue Perspektiven zu schaffen
Als Führungskraft sollten Sie deshalb nicht nur die Arbeitsmenge kontrollieren, die ein Mitarbeiter zu bewältigen hat, sondern auch regelmäßig prüfen, ob Qualifikationen, Aufgaben und persönliche Entwicklungsziele zusammenpassen, damit keine Boreout Symptome drohen.
Symptome für Boreout sind nicht immer so offensichtlich zu beobachten, wie man sich das vielleicht wünschen würde, um schnell reagieren zu können. Viele Beschäftigte funktionieren im Alltag weiterhin zuverlässig, obwohl sie sich innerlich längst von ihren Aufgaben distanziert haben. Achten Sie deshalb in Ihrem Führungsalltag insbesondere auf folgende Veränderungen, die Anzeichen für Boreout sein können:
Wichtig für Führungskräfte: Nicht jedes ungewöhnliche Verhalten deutet auf Boreout hin. Wer Aufgaben in die Länge zieht, häufig privat im Internet surft oder regelmäßig Überstunden macht, ist nicht zwangsläufig unterfordert. Ebenso können Überlastung, persönliche Belastungen oder ungünstige Arbeitsabläufe dahinterstecken. Entscheidend ist deshalb, Veränderungen und Boreout Anzeichen über einen längeren Zeitraum wahrzunehmen und in einem vertrauensvollen Gespräch nach möglichen Boreout Ursachen zu fragen.
Ein kurzer Selbstcheck kann helfen, die eigene Situation besser einzuschätzen. Mitarbeiter sollten deshalb selbst reflektieren, ob die folgenden Aussagen auf sie zutreffen.
Ich habe regelmäßig das Gefühl, zu wenig zu tun auf der Arbeit zu haben.
Meine Kenntnisse und Fähigkeiten werden kaum genutzt.
Ich bin häufig gelangweilt bei der Arbeit.
Mir fehlen anspruchsvolle Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten.
Ich empfinde meine Aufgaben als wenig sinnvoll.
Ich spreche nicht offen über meine Unterforderung.
Auch Sie als Führungskraft können diese Aussagen nutzen, um herauszufinden, ob ein Mitarbeiter von einem Burnout Syndrom betroffen sein könnte und Sie das Gespräch suchen sollten. Je häufiger Sie diese Aussagen bejahen, desto sinnvoller kann eine nähere Betrachtung der Arbeitssituation sein. Ein solcher Test ist allerdings kein medizinisches Diagnoseinstrument.
Boreout wird oft als Gegenteil von Burnout bezeichnet. Dabei handelt es sich bei Burnout und Boreout um zwei unterschiedliche arbeitsbezogene Belastungsphänomene, die teilweise sehr ähnliche Beschwerden hervorrufen können.
| MERKMAL | BOREOUT | BURNOUT |
| Ausgangssituation | Anhaltende Unterforderung am Arbeitsplatz | Chronischer, nicht erfolgreich bewältigter Arbeitsstress |
| Arbeitsanforderungen | Zu gering oder wenig sinnvoll | Dauerhaft belastend |
| Gefühle | Langeweile, Frustration und Sinnverlust | Erschöpfung, Distanz und verringerte Wirksamkeit |
| Auswirkungen | Rückzug, Demotivation und Beschwerden | Erschöpfung, Zynismus und Leistungsprobleme |
| Prävention | Passende Aufgaben und individuelle Entwicklung | Tragbare Belastung und ausreichende Ressourcen |
Übrigens: Die Weltgesundheitsorganisation ordnet Burnout in der ICD-11 als arbeitsbezogenes Phänomen ein, nicht als eigenständige Krankheit.
Ein Mitarbeiter kann tatsächlich durch monotone Aufgaben geistig unterfordert sein und gleichzeitig unter hohem Termindruck oder belastenden Konflikten leiden – also zwischen Boreout und Burnout gleichzeitig zerrissen sein. Auch ein Wechsel zwischen Phasen der Überforderung und der Unterforderung am Arbeitsplatz ist möglich.
Für Sie als Führungskraft bedeutet das: Nicht allein die Menge der Arbeit entscheidet darüber, ob Beschäftigte gesund und motiviert bleiben, sondern auch, wie anspruchsvoll und sinnvoll sie ihre Aufgaben erleben, wie viel Verantwortung sie übernehmen können und ob sie ihre Fähigkeiten ausreichend einsetzen dürfen.
Langeweile auf der Arbeit allein macht nicht automatisch krank. Andauernde Unterforderung kann jedoch mit psychischen Belastungen, zunehmender Erschöpfung und verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden zusammenhängen. Die AOK weist aber beispielsweise darauf hin, dass Boreout selbst keine anerkannte psychische Erkrankung ist und verbindliche Kriterien für eine Diagnose fehlen. Ärztinnen, Ärzte oder psychotherapeutische Fachpersonen können Beschwerden untersuchen und gegebenenfalls zugrunde liegende Erkrankungen feststellen.
Der Begriff Boreout allein begründet noch keine Arbeitsunfähigkeit. Mitarbeiter können sich also nicht aufgrund von Boreout krankschreiben lassen. Maßgeblich sind immer der individuelle Gesundheitszustand eines Mitarbeiters und die Auswirkungen auf seine berufliche Leistungsfähigkeit. Eine Krankschreibung wegen Unterforderung kann also nur dann erfolgen, wenn damit gesundheitliche Beschwerden einhergehen, die tatsächlich zur Arbeitsunfähigkeit führen und dies auch ärztlich festgestellt wird, wie eine entstandene Depression durch Unterforderung.
Wer bei Langeweile am Arbeitsplatz nur an Menschen denkt, die untätig am Schreibtisch sitzen, unterschätzt das Problem. Langeweile bei der Arbeit entsteht wie bereits erwähnt auch dann, wenn Beschäftigte zwar viele Aufgaben haben, diese aber wenig anspruchsvoll sind. Und dabei spielen auch die Arbeitsmodelle eine wichtige Rolle.
Im Homeoffice kann ein Boreout Syndrom schwer erkennbar sein. Wer räumlich getrennt arbeitet, hat weniger informelle Möglichkeiten, über Unterforderung im Beruf zu sprechen.
Manche Beschäftigte erledigen ihre Aufgaben schnell und warten anschließend auf neue Aufträge. Andere sind von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen und fühlen sich nicht mehr ausreichend eingebunden.
Als Führungskraft sollten Sie deshalb regelmäßig Mitarbeitergespräche führen und dabei nicht nur Ergebnisse, sondern auch die Qualität der Arbeit thematisieren. Fragen Sie beispielsweise: Welche Aufgaben machen Ihnen aktuell Freude? Wo fehlen Ihnen Herausforderungen?
Vertrauen ist dabei wichtiger als eine permanente Kontrolle.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert wie wir alle wissen und merken bestehende Arbeitsprozesse grundlegend. Routineaufgaben können schneller erledigt oder automatisiert werden. Das eröffnet großartige Chancen, schließlich gewinnen Beschäftigte Zeit für kreative, strategische oder kundenorientierte Tätigkeiten. Jedoch entsteht auch ein Risiko, wenn Aufgaben zwar automatisiert, aber keine neuen Verantwortlichkeiten geschaffen werden. So braucht beispielsweise ein Sachbearbeiter, dessen bisherige Tätigkeiten weitgehend von KI übernommen werden, neue Perspektiven, um seine Kompetenzen weiterhin einsetzen zu können.
Beispiel: Wenn ein KI-System regelmäßige Standardberichte erstellt, könnten Mitarbeitende künftig die Ergebnisse interpretieren, Handlungsempfehlungen ableiten oder Verbesserungsprojekte leiten. So wird Automatisierung zum Ausgangspunkt für anspruchsvollere Arbeit, nicht für Langeweile und Unterforderung im Job.
Wie können Unternehmen Langeweile am Arbeitsplatz vertreiben, ohne Beschäftigte einfach mit zusätzlichen Aufgaben zu überhäufen? Die folgenden sieben Tipps gegen Boreout lassen sich in nahezu jedem Team umsetzen:
Entscheidend ist, dass Sie diese Maßnahmen gegen Boreout nicht isoliert betrachten, sondern miteinander kombinieren und an die individuellen Bedürfnisse Ihrer Mitarbeitenden anpassen. So schaffen Sie ein Arbeitsumfeld, in dem Anzeichen der Unterforderung frühzeitig erkannt werden, Motivation wächst und Beschäftigte ihre Fähigkeiten langfristig entfalten können.
Auch Mitarbeitende können selbst etwas gegen ihre berufliche Unterforderung unternehmen. Wer sich regelmäßig gelangweilt fühlt, sollte zunächst die Ursachen unterscheiden: Gibt es tatsächlich zu wenig Arbeit? Sind die vorhandenen Aufgaben zu einfach? Oder fehlt vor allem die Sinnhaftigkeit?
5 effektive Tipps gegen Boreout speziell für Mitarbeiter:
Entscheidend ist, die Tätigkeit wieder interessanter, sinnvoller und anspruchsvoller zu gestalten.
Nice to know: Ein Mitarbeiter, der dauerhaft wenig Initiative zeigt, wird manchmal vorschnell alsLow Performer im Team eingeordnet. Doch sinkende Leistung kann unterschiedliche Ursachen haben. Fehlende Fähigkeiten, unklare Erwartungen, persönliche Belastungen und chronische Unterforderung am Arbeitsplatz erfordern jeweils andere Lösungen. Sie sollten deshalb als Führungskraft zunächst die tatsächlichen Arbeitsanforderungen und Rahmenbedingungen analysieren, bevor sie Maßnahmen zur Leistungssteigerung ergreifen.
Boreout entsteht nicht einfach dadurch, dass jemand gelegentlich zu wenig Arbeit auf dem Tisch hat. Problematisch wird es erst, wenn Menschen dauerhaft unter ihren Möglichkeiten bleiben, ihre Aufgaben als sinnlos erleben oder keine beruflichen Entwicklungsperspektiven erkennen.
Für Sie als Führungskraft geht es deshalb um mehr als bloße Auslastung. Entscheidend sind eine wertschätzende Führungskultur, passende Herausforderungen, vertrauensvolle Teamarbeit und regelmäßige Gespräche über Motivation und Entwicklung. Gerade in einer Arbeitswelt, die zunehmend von KI, Automatisierung und hybrider Zusammenarbeit geprägt ist, müssen Unternehmen die Arbeit deshalb bewusster gestalten.
Wer Aufgaben sinnvoll verteilt, Verantwortung überträgt und individuelle Potenziale fördert, schafft bessere Voraussetzungen für motivierte und leistungsfähige Teams.
Tipp: Möchten Sie Ihre Führungskompetenz weiterentwickeln und Mitarbeitende nachhaltig motivieren? Dann entdecken Sie die Weiterbildungen von Management Circle im Bereich Führungskompetenz und lernen Sie, wie Sie moderne Mitarbeiterführung wirkungsvoll gestalten.
1. Was ist Boreout im Job?
Boreout beschreibt anhaltende berufliche Langeweile, Unterforderung und fehlende Sinnhaftigkeit. Betroffene können sich demotiviert, frustriert oder erschöpft fühlen.
2. Wie macht sich ein Boreout bemerkbar?
Häufig beschriebene Anzeichen eines Boreouts sind Lustlosigkeit, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Frustration und Motivationsverlust. Boreout Symptome können allerdings auch andere Ursachen haben.
3. Wer leidet unter Boreout?
Grundsätzlich können Beschäftigte aller Branchen von einem Boreout Syndrom betroffen sein, wenn sie monotonen Tätigkeiten, geringen Gestaltungsspielräumen und dauerhaft unpassenden Arbeitsanforderungen ausgesetzt sind.
4. Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Boreout?
Bei einem Burnout steht chronischer, nicht zu bewältigender Arbeitsstress im Mittelpunkt, während ein Boreout vor allem anhaltende Unterforderung und berufliche Langeweile beschreibt.
5. Was kann man gegen Boreout tun?
Hilfreich sind bei Langeweile oder Unterforderung im Job vor allem offene Gespräche, abwechslungsreichere Aufgaben, mehr Eigenverantwortung, gezielte Weiterbildung und eine passende Aufgabenverteilung.
Nutzen Sie die 20 praktischen Tipps, um sich im Führungsalltag souverän zu positionieren, Akzeptanz bei Ihrem Team zu gewinnen und Ihre gemeinsamen Ziele auch wirklich erreichen zu können.

Als Content- und SEO-Expertin mit über 15 Jahren Berufserfahrung gestaltet Martina Eckermann seit dem Startschuss 2017 den Management Circle Blog mit. Ihr Herz schlägt für Themen, die Führung neu denken und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag beleuchten. In ihren Artikeln kombiniert sie kreative Inhalte mit analytischem Tiefgang – von Whitepapern bis hin zu Trendanalysen. Sie verfasst regelmäßig Artikel, die auf fundierter Recherche und Experteninterviews basieren. Dabei ist sie stets auf der Suche nach frischen Impulsen und Entwicklungen, die Führungskräften echte Orientierung im Business-Alltag bieten.
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