Gewaltfreie Kommunikation im Beruf – so bewerten Sie Konflikte ganz neu

02. August 2018
Kommunikation & PR, Soft Skills
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Neulich im Meeting: Die eine Kollegin findet mal wieder keinen Punkt. Statt sich über das aktuelle Projekt auszutauschen, fragt sie nach dem letzten Urlaub, erzählt vom Wochenende und verliert sich in unwichtigen Details. Die Folge: Die Besprechung dauert viel länger als geplant und Sie ärgern sich.

Abends beschweren Sie sich vielleicht sogar bei Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über das unmögliche Verhalten der Kollegin. Und auch der Kollege Meier bekommt am besten gleich noch sein Fett weg. Hatte er schon wieder „Verbesserungsvorschläge“? Können Sie Ihre Arbeit nie so machen, wie Sie möchten? Hat Ihr Chef ständig etwas zu nörgeln?

Doch während Sie sich darüber ärgern, scheinen die Konflikte Sie immer wieder einzuholen. Zum nächsten Meeting gehen Sie also bereits mit schlechter Laune. Und der Kollege Meier meidet Sie plötzlich, obwohl Sie bislang ein gutes Verhältnis hatten.

Das Gute ist, es gibt eine Lösung: Die Gewaltfreie Kommunikation bietet Ihnen im Berufsalltag das passende Konzept, um solche Kontaktstörungen ganz einfach aufzulösen.

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Marshall B. Rosenberg (1934-2015), der die Methode der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) entwickelt hat, beschreibt sie als eine „Sprache des Lebens“. Sie stellt den empathischen Kontakt zum Gegenüber in den Mittelpunkt. Der Begriff entstand in Anlehnung an den gewaltfreien Widerstand Mahatma Gandhis.

Zugegeben, GFK zu erlernen, bedarf ein wenig Übung. Trotzdem kann das Konzept Sie bereits heute dabei unterstützen, Konflikte ganz neu zu bewerten.

Die Gewaltfreie Kommunikation arbeitet mit vier Schritten. Am genannten Beispiel der Kollegin könnten diese Schritte so aussehen:

Wertfrei beobachten

Der erste Schritt der Gewaltfreien Kommunikation ist das Beobachten von Situationen, ohne diese zu bewerten. Was ist tatsächlich passiert?

Nehmen Sie dazu etwas Abstand und schauen Sie wertfrei auf die Situation – in unserem Beispiel:

Die Kollegin erzählt im Meeting von ihrem Urlaub und betrachtet eher Details als das „große Ganze“.

Gefühle wahrnehmen

In diesem Schritt fragen Sie sich, welche Gefühle die Situation in Ihnen auslöst. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, weil wir unsere Gefühle gerne beiseiteschieben und schnell ein Urteil fällen. Gleichzeitig können Sie sich aber auch Ihrem Gegenüber öffnen und seine Gefühle wahrnehmen.

Unser Tipp: Ein „echtes“ Gefühl erkennen Sie daran, dass Sie sagen können „Ich bin…“ – also in unserem Beispiel:

Ich bin ärgerlich und frustriert, dass wir über vieles Reden aber wenig erreichen. Meiner Kollegin ist Austausch wichtig, sie sucht Anschluss und möchte auch über das berufliche hinaus Kontakt mit mir haben.

Bedürfnisse erkennen

Wenn Situationen Gefühle bei uns auslösen, steckt dahinter immer ein Bedürfnis. Was brauchen Sie? Fragen Sie sich also, wenn Sie sich ärgern: Welches Bedürfnis wurde nicht erfüllt?

Ich brauche Unterstützung. Ich habe im Moment viel zu erledigen und möchte heute nicht schon wieder bis 7 Uhr im Büro sein, da ich abends verabredet bin. Lange Meetings halten mich auf!

Bitten zur Bedürfnis-Erfüllung formulieren

Die vorangegangenen Schritte helfen Ihnen, zu erkennen, was den Ärger in Ihnen auslöst. Das wiederum hilft Ihnen, sich selbst besser zu verstehen. Doch anstatt sich im Anschluss in Urteilen zu verlieren oder sich im Stillen zu ärgern, ist die Gewaltfreie Kommunikation handlungsorientiert. Sie werden daher aktiv und formulieren Ihre Bitte:

Hey, ich merke gerade, dass es mich ärgert, wenn wir jetzt über unsere Urlaube sprechen. Ich möchte heute etliche Aufgaben erledigen, um pünktlich Feierabend machen zu können, da ich abends noch verabredet bin. Kannst du mich dabei unterstützen? Passt es für dich, wenn wir das Meeting auf maximal eine halbe Stunde begrenzen und in dieser uns ausschließlich auf das Projekt konzentrieren?

Wenn Sie möchten, können Sie zudem anbieten:

Und nachher können wir zusammen in die Mittagspause gehen – da haben wir ausreichend Zeit, um über Reiseziele zu sprechen.

In der Situation mit Ihrem Vorgesetzten könnten Sie die Situation wie folgt auflösen:

Wertfrei beobachten

Herr Meier hat mir heute Vormittag eine E-Mail mit seinen Vorschlägen für das Angebot geschrieben.

Gefühle wahrnehmen

Ich bin enttäuscht, dass der Kollege Meier schon wieder Verbesserungsvorschläge hat.

Bedürfnisse erkennen

Mir ist Wertschätzung wichtig. Ich möchte wissen, ob mein Chef mit meiner Arbeit zufrieden ist. Gleichzeitig schätze ich Selbstständigkeit, ich möchte meine Aufgaben erfüllen und nicht von anderen abhängig sein.

Bitten zur Bedürfnis-Erfüllung formulieren

Das Schöne an der GFK ist, dass Sie verschiedene Optionen haben. So können Sie in diesem Fall Ihren Kollegen Meier fragen, ob er grundsätzlich mit Ihrer Arbeit zufrieden ist. Oder Sie fühlen sich in ihn hinein und erkennen, dass ihm das Projekt sehr wichtig ist und er nicht Sie und Ihre Arbeit kritisiert, sondern sicherstellen möchte, dass alles reibungslos läuft. Und drittens können Sie auch Ihre Sichtweise ändern: Denn eigentlich wissen Sie, dass Herr Meier zufrieden mit Ihnen ist. Denn sonst hätte er Ihnen das Projekt nicht anvertraut.

Wie funktioniert Gewaltfreie Kommunikation im Berufsalltag?

Durch diese wertschätzende Kommunikation, wie die gewaltfreie Kommunikation auch genannt wird, kommen Sie Ihren Gefühlen und Bedürfnissen wieder näher. Anstatt auf Lästereien, Unterstellungen und Vorwürfe zu setzen, hinterfragen Sie Ihren ersten Impuls und lösen durch aktive Bitten die Situation, also den Konflikt, auf.

Wie Sie die GFK auch im Berufsalltag und beruflichen Konflikten einsetzen können, ist vor allem eine Frage der Zeit und Übung. Doch es lohnt sich – durch einen empathischen Umgang mit Ihren Mitmenschen und mit Ihnen selbst werden Sie eine neue Art von Beziehungen erleben. Davon können Sie nicht nur im Business, also in der Kommunikation mit Ihren Kollegen, Mitarbeitern, Kunden oder Ihrem Chef, sondern auch im privaten Umfeld profitieren.

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