4-Tage-Woche als Arbeitsmodell der Zukunft? Wo es bereits Realität ist

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26. August 2022
Personal
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In einigen Ländern Europas gibt es sie bereits, andere Nationen sind gerade in der Testphase – die Rede ist von der 4-Tage-Woche. Dabei handelt es sich um ein neues Arbeitszeitmodell, bei dem die Arbeit an vier Tagen, statt klassisch in fünf Tagen erledigt werden kann. In diesem Artikel gehen wir auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der 4-Tage-Woche ein und diskutieren, ob so ein Modell auch in Deutschland denkbar wäre.

4-Tage-Woche: Diese Modelle gibt es

Im Prinzip ist der Name Programm. Bei einer 4-Tage-Woche wird an vier Tagen in der Woche gearbeitet, wodurch ein zusätzlicher freier Tag ermöglicht wird. Bei einer Vollzeitstelle mit 40 Stunden pro Woche würde man die Arbeit also auf vier statt fünf Tage verteilen, was eine Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag ergibt. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) in Deutschland schreibt allerdings vor, dass die tägliche Arbeitszeit von zehn Stunden nicht überschritten werden darf. Bei einer 4-Tage-Woche mit gleichbleibenden Wochenstunden müsste also streng darauf geachtet werden, dass die Arbeitszeit von zehn Stunden nicht überschritten wird.

Es ist aber auch möglich, die Wochenstunden zu reduzieren. So käme man bei 35 Stunden in einer 4-Tage-Woche auf eine tägliche Arbeitszeit von 8,75 Stunden. Die Arbeitsstunden pro Woche legt das jeweilige Unternehmen fest und kann von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein.

Modellversuche zur 4-Tage-Woche in Europa

In Island gab es den bisher größten Modellversuch der 4-Tage-Woche. So arbeiteten von 2015-2019 ca. 1% der Bevölkerung (2.500 Arbeitskräfte) einen Tag weniger. Der Versuch war ein „überwältigender Erfolg“, so der britische Think-Tank Autonomy. Die Mitarbeiter waren nicht nur motivierter und gesünder, sondern auch die Produktivität stieg an. Durch die reduzierte Arbeitszeit wurden überflüssige Aufgaben gestrichen. Außerdem konzentrierten sich die Mitarbeiter mehr auf das Wesentliche und konnten dadurch ihre Arbeit fokussiert erledigen.

Großbritannien zieht mit und startete im Juni 2022 einen Testlauf der 4-Tage-Woche mit 70 Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Das Beste daran: Die Mitarbeiter müssen keine Einbußen bei der Bezahlung hinnehmen. Der Testlauf soll zunächst sechs Monate dauern und die Erkenntnisse anschließend evaluiert werden. Doch bereits jetzt gibt es begeisterte Stimmen zum Modellversuch. So äußern die Mitarbeiter, dass sie eine viel bessere Work-Life-Balance haben und mehr Zeit für die Familie und den Haushalt aufbringen können. 

In Belgien ist die 4-Tage-Woche sogar bereits gesetzlich verankert. Dort dürfen die Mitarbeiter flexibel entscheiden, ob sie an vier oder fünf Tagen in der Woche arbeiten wollen. Und auch Spanien und Schottland planen Pilotprojekte. Es ist also klar erkennbar, dass das 4-Tage-Modell große Zustimmung in der Bevölkerung findet.

Und wie sieht es mit der 4-Tage-Woche in Deutschland aus?

Hier gibt es noch Uneinigkeiten. Während sich manche Politiker sogar für eine Anhebung der Wochenstunden aussprechen, befürworten Verfechter von New Work und Arbeit 4.0 das neue Arbeitszeitmodell.

Eine Sanitärfirma aus Nürnberg hat in ihrem Betrieb bereits die 4-Tage-Woche eingeführt. Die Beschäftigten arbeiten nun 38 Stunden pro Woche, also 9,5 Stunden am Tag, bekommen aber weiterhin volle 40 Stunden bezahlt. Durch den freien Freitag haben sie zwar etwas längere Arbeitstage von Montag bis Donnerstag, dafür aber ein verlängertes Wochenende. Die Mitarbeiter sind begeistert, denn durch den zusätzlichen freien Tag werden Fahrtkosten gespart, eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht und erneut die Produktivität gesteigert. Im ersten halben Jahr machte die Firma sogar an vier Tagen mehr Umsatz als vorher an fünf Tagen! Generell sind die Mitarbeiter zufriedener und ausgeruhter, was für eine bessere Leistung sorgt.

Gerade in Zeiten von Arbeitskräftemangel sind neue Arbeitszeitmodelle ein großer Anreiz, um neue Mitarbeiter zu finden. Wenn immer mehr Betriebe ein solches Modell einführen, sind andere im Zugzwang, da das Halten und Akquirieren neuer Arbeitskräfte zur Kernherausforderung der aktuellen Zeit wird.

Auch Großunternehmen sind bereits auf die 4-Tage-Woche umgestiegen, wie zum Beispiel Awin. Dort wurden die Wochenstunden sogar auf 32 Stunden reduziert, bei vollem Gehalt versteht sich. Die Firma will den Mitarbeitern dadurch mehr Flexibilität und Erholung ermöglichen, damit diese auch motiviert und effizient arbeiten.

Gehalt und Work-Life-Balance im Konflikt

Eine klassische 40-Stunden-Woche mit fünf Arbeitstagen ist ein längst veraltetes Arbeitszeitmodell. Gewerkschaften sprachen sich in den vergangenen Jahren bereits für reduzierte Arbeitszeiten aus, die teilweise in einigen Betrieben umgesetzt wurden.

Die positiven Erkenntnisse aus den Pilotprojekten der 4-Tage-Woche haben wir bereits aufgezeigt. Der zusätzliche freie Tag ist einerseits förderlich für die Wirtschaft, denn es lassen sich Energiekosten einsparen, gleichzeitig wird die Produktivität aber gesteigert, was zu höheren Umsätzen führt. Das Modell ist – besonders für die kommenden Generationen – attraktiv und kann zur Gewinnung neuer Mitarbeiter beitragen. Aber besonders für das Wohlbefinden des Einzelnen ist die 4-Tage-Woche eine positive Sache. Stress und Burnout könnten reduziert werden, dadurch wird die allgemeine Gesundheit verbessert, was wiederum zu weniger Krankmeldungen führt. Familie, Beruf und Haushalt sind durch den zusätzlichen freien Tag vereinbar, was zu einer besseren Lebensqualität beiträgt.

Eine 4-Tage-Woche ist in Deutschland bisher nur als Teilzeitarbeit möglich. Durch die „gekürzte“ Arbeitszeit wird allerdings immer auch das Gehalt reduziert. Aus einer Studie von HubSpot zum Thema „Hybrides Arbeiten 2022“ geht hervor, dass nur 54% der Mitarbeiter in Deutschland ein reduziertes Gehalt für weniger Arbeitszeit pro Woche hinnehmen würden. Die Themen Geld und Work-Life-Balance sind für viele Menschen also nicht ausgeglichen und immerhin 46% der Befragten würden sich eher für eine Gehaltserhöhung statt einem zusätzlichen freien Tag entscheiden.

4 Top-Vorteile der 4-Tage-Woche

Auch wenn es aktuell noch Schwierigkeiten in der Umsetzung der 4-Tage-Woche geben könnte, überwiegen trotzdem die positiven Aspekte. Die 4 Top-Vorteile haben wir Ihnen hier nochmal zusammengefasst:

Mehr Zeit fürs Privatleben

Durch die verkürzte Arbeitszeit bleibt Arbeitnehmern mehr Zeit für ihr Privatleben. So kann das Stresslevel niedrig und die Work-Life-Balance hoch gehalten werden. Das führt zu mehr Ausgeglichenheit im Alltag – und wer ausgeglichen ist, wird weniger krank! Win-win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber!

Motivation wird gesteigert

Eine gesteigerte Motivation führt zu mehr Engagement im Job – und davon profitiert vor allem der Arbeitgeber!

Vorne dabei im Kampf um qualifizierte Fachkräfte

Die Vier-Tage-Woche ist ein attraktives Argument für einen möglichen Arbeitgeber. Im „War for Talents“ deutlicher Pluspunkt, um die besten Fachkräfte für sich zu gewinnen.

Geringere Arbeitszeit ≠ geringere Produktivitätsrate

Nur weil die Arbeitszeit verringert wird, heißt es noch lange nicht, dass auch die Produktivität sinkt – im Gegenteil: Pilotprojekte haben gezeigt, dass die Mitarbeiter sogar produktiver sind als in einer normalen Fünf-Tage-Woche.

Fazit

Fakt ist, dass die 4-Tage-Woche erhebliche Vorteile mit sich bringt, was einige Modellversuche in anderen Ländern bereits gezeigt haben oder noch zeigen werden. Das Modell lässt sich theoretisch auch bei uns in Deutschland einfach umsetzen, wie einige Unternehmen schon erfolgreich zeigen. Allerdings müsste sich in Sachen Arbeitszeiten grundsätzlich etwas ändern. Ein 4-Tage-Modell mit zehn Arbeitsstunden pro Tag ist für die meisten eher unattraktiv und an der Grenze des gesetzlich Zulässigen. Vielmehr müsste hinterfragt werden, ob die 40-Stunden-Woche, welche seit ca. 50 Jahren unverändert existiert, nicht längst dem Industriezeitalter angehört. In Sachen Gehältern dürfen zudem bei aktueller Inflationsrate keine Einbußen entstehen, damit ein flexibles Arbeitszeitmodell in Kauf genommen wird.

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