Experten-Interview: Nachhaltigkeitsmanagement bei EWE

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07. April 2022
Management & Strategie
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Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist für Unternehmen heute Verpflichtung und Chance zugleich – Wirtschaftsprüfer Tobias Sengenberger und Rechtsanwalt Christoph Lamy haben in diesem Blog über das Thema berichtet. Doch was bedeutet das für die Praxis? Wie gehen Unternehmen vor?

Nachhaltigkeitsmanagerin Denise Dornieden verrät uns im Interview, wie die EWE AG in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement aufgestellt ist, welche Herausforderungen die Berichterstattung mit sich bringt und was andere Unternehmen wie Sie daraus lernen können. Seien Sie gespannt!

Denise Dornieden

Nachhaltigkeitsmanagerin | EWE AG

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Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmenskultur

Frau Dornieden, was heißt Nachhaltigkeit für EWE – welche Ziele verfolgt das Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist für uns keine Pflichtübung, sondern Teil unserer strategischen Ausrichtung und fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Wir glauben, dass wir als Unternehmen nur langfristig erfolgreich sein und Wertschöpfung in die Region bringen können, wenn unser finanzieller Erfolg mit der Erreichung ökologischer und sozialer Ziele einhergeht.

Wir haben uns als EWE frühzeitig für die Energiewende ausgesprochen und uns das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu sein.


Denise Dornieden, Nachhaltigkeitsmanagerin, EWE AG

Neben unserem eigenen glaubwürdigen und transparenten Handeln wird es darum gehen, unseren Kundinnen und Kunden Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die sie auf ihrem Weg in eine klimaneutrale Zukunft begleiten.

Aber EWE ist auch Arbeitgeber: Gesundheit und Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden – insbesondere in so unsicheren Zeiten wie denen der Covid-19-Pandemie – sind von höchster Bedeutung für EWE. Daher arbeiten wir kontinuierlich an einem attraktiven und sicheren Arbeitsumfeld, fördern neue Arbeitsweisen und lebenslanges Lernen.

 

Seit wann steht das Thema im Unternehmensfokus und was war der Auslöser?

Für EWE hat Nachhaltigkeit traditionell einen sehr hohen Stellenwert. Gemäß unserer Satzung sind eine klimaschonende Versorgung und die Förderung von Nachhaltigkeit wesentlicher Unternehmensgegenstand von EWE.

Wichtige Prozesse im Nachhaltigkeitsmanagement

Wie funktioniert die Nachhaltigkeitsberichterstattung bei EWE? Wie sieht der Prozessablauf aus?

Für die Erstellung der nichtfinanziellen Erklärung (nfE) ist das Nachhaltigkeitsmanagement bei EWE zuständig. Organisatorisch verortet sind wir in der Konzernentwicklung. Bei uns laufen gewissermaßen die Fäden der Berichterstattung zusammen, denn die speist sich aus vielen verschiedenen Themen wie Klimaschutz, Arbeitssicherheit oder Diversity. Hierfür gibt es zumeist eigene Fachbereiche, die jeweils in den Prozess der Berichterstellung eingebunden werden. Die Berichterstattung erstreckt sich für gewöhnlich von November bis April. Zu Beginn einer jeden Berichtsperiode schauen wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Fachbereiche auf die aktuellen Entwicklungen, die im Berichtsjahr stattgefunden haben und gießen diese in ein erstes Konzept. Im Anschluss findet die Einbindung der Wirtschaftsprüfer statt, die das Konzept und die darin getätigten Aussagen sowie die KPIs prüfen, sobald diese zum Stichtag 31.12. vorliegen. Im Anschluss erfolgt – im Falle einer positiven Prüfung – die Ausstellung des Testats und die nfE wird in verschiedenen Gremien verabschiedet, bis sie dann schließlich im April im Rahmen unserer jährlichen Bilanzpressekonferenz veröffentlicht wird.

 

Gibt es besondere Herausforderungen?

Nicht unbedingt EWE-spezifische. Allgemein lässt sich feststellen, dass die gesellschaftlichen Erwartungen an ein nachhaltiges und verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln und Wirtschaften zunehmen. Damit steigen auch die Transparenzanforderungen an nichtfinanzielle Informationen: Kennzahlen müssen definiert, Erhebungsprozesse aufgesetzt und die Auswirkungen dieser Transparenz gemanaged werden.

Am Ende muss es uns allen gelingen, finanzielle und nichtfinanzielle Werttreiber und Informationen stärker miteinander zu verknüpfen. Das erfordert ein Umdenken!


Denise Dornieden, Nachhaltigkeitsmanagerin, EWE AG

Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichterstattung für EWE

Welche Chancen bietet der Nachhaltigkeitsbericht dem Unternehmen?

Die Berichterstattung ist ein wichtiges Instrument für uns, um regelmäßig und strukturiert auf den Fortschritt unserer Nachhaltigkeitsthemen zu schauen und sie entsprechend weiterzuentwickeln. Darüber hinaus ist die nichtfinanzielle Erklärung auch ein wichtiges Informationsmittel, auf Basis dessen sich unsere Stakeholder ein Bild von unseren Nachhaltigkeitsaktivitäten machen können.

 

Was bedeutet die neue CSR-Richtlinie für EWE? Wird es Veränderungen geben?

Es ist mit einer deutlichen Ausweitung des Kreises berichtspflichtiger Unternehmen zu rechnen, ebenso werden Unternehmen voraussichtlich nicht mehr wählen können, wo sie die nichtfinanziellen Informationen veröffentlichen, das heißt die NFE gehört dann zukünftig in den Lagebericht. Zudem ist eine verpflichtende Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung wahrscheinlich.

Aktuell gehen wir davon aus, dass sich durch die CSRD nicht allzu viele Neuerungen für uns ergeben werden, da wir schon jetzt von der Berichtspflicht betroffen sind und wir unsere nfE einer freiwilligen Prüfung mit begrenzter Sicherheit – einer sogenannten Limited Assurance – durch einen Wirtschaftsprüfer unterziehen lassen. Was sich für uns ändern wird, ist das Format, denn aktuell ist unsere nfE ein eigenständiges Dokument. Zukünftig werden wir die Informationen in unseren Lagebricht integrieren. Das wird vermutlich dazu führen, dass wir interne Prozesse anpassen müssen. Abzuwarten bleibt unterdessen, welche inhaltlichen Offenlegungspflichten und anzuwendende Standards beschlossen werden.

Ausblick in eine nachhaltige Zukunft

Was möchten Sie mit EWE in diesem Bereich noch erreichen?

Die ganze Wirtschaft steht vor der Herausforderung einer großen Transformation: Die planetarischen Grenzen sind erreicht, der Biodiversitätsverlust schreitet voran und die sozialen Ungleichheiten werden zunehmend größer. Ein „weiter so wie bisher“ können wir uns nicht erlauben. Unser Augenmerk darf nicht allein auf Profitmaximierung liegen. Was wir brauchen, ist ein nachhaltiges System: Neue Bewertungs- und Steuerungssysteme für Unternehmen, die dem Ökologischen und dem Sozialen genauso viel Gewicht verleihen, wie dem Ökonomischen – daran möchte ich gerne mitwirken.

 

Was raten Sie anderen Unternehmen zu diesem Thema?

Hartnäckig und hoffnungsvoll bleiben! 😉 Der Wandel zu einem nachhaltigen System wird nicht von heute auf morgen passieren, so etwas braucht Zeit. Vor allem braucht es die Unterstützung und den Willen zum Wandel von allen Akteuren: Von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Oft hat man den Eindruck, allein nicht viel bewirken zu können, aber das täuscht: Die Summe macht´s!

Im Unternehmenskontext ist es ein erster wichtiger Schritt, Nachhaltigkeit bei allen Entscheidungen konsequent mitzudenken.


Denise Dornieden, Nachhaltigkeitsmanagerin, EWE AG
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ESG-Kriterien & ESG-Risiken

Die ESG-Kriterien und aktuelle Krisen haben ein Umdenken im Investment-Sektor bewirkt. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ESG-Kriterien zu berücksichtigen und abzuwägen. Dabei besteht die Herausforderung vor allem darin, Nachhaltigkeit und Ökonomie in Einklang zu bringen und ESG-Risiken abzuwägen.

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