Der Hochleistungswertstrom – Individualität in kürzester Lieferzeit

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16. Februar 2023
Produktion
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Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland hat einen starken Fokus auf Unternehmen der Metallindustrie und des Maschinenbaus. Viele dieser Unternehmen sind traditionell „Problemlöser“ für ihre Kunden und bieten individuelle Produkte an. Dies führt in der Regel zu längeren Lieferzeiten und höheren Preisen im Vergleich zu Serienprodukten. Wettbewerbsdifferenzierende Chancen liegen in der Kombination aus hoher Individualität, minimaler Lieferzeit und niedrigen Kosten. Die Vision des Hochleistungswertstroms ist es, individuelle Produkte in kürzester Lieferzeit zu Preisen von Serienprodukten anzubieten. Dies wird unter anderem mit einer durchgängigen Digitalisierung der gesamten Auftragsabwicklung vom ersten Kundenkontakt über die Anpassungsentwicklung in einem Produktlösungsraum und die Arbeitsvorbereitung bis zur Auftragssteuerung erreicht.

Prof. Dr. Joachim Metternich von der Technischen Universität Darmstadt beschreibt in diesem Beitrag die acht Prinzipien des Hochleistungswertstroms und zeigt, wie Sie davon profitieren.

Experte Prof. Dr. Joachim Metternich

Prof. Dr. Joachim Metternich

Institutsleiter, PTW | Technische Universität Darmstadt

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Hochleistungswertstrom als Antwort auf individuelle Kundenwünsche

Industrieunternehmen aus Deutschland sind vielfach Hersteller komplexer individueller Produkte und Problemlöser. Der hohe kundenseitig geforderte Individualisierungsgrad bedingt häufig aufwendige konstruktive Anpassungen am Produkt. In der Folge können in vielen Branchen und Produktbereichen individuelle Lösungen bislang nur zu erhöhten Preisen und bei verlängerten Lieferzeiten angeboten werden. Gerade für Industriekunden ist jedoch eine kurzfristige Produktverfügbarkeit häufig entscheidend für den eigenen Geschäftserfolg, so dass die kurzfristige Lieferfähigkeit über eine Auftragsvergabe entscheidet. Zudem sind Kunden mittlerweile auch aus dem privaten Bereich sehr kurze Lieferzeiten gewohnt (zum Beispiel Same-Day-Lieferung von Amazon) und erwarten zunehmend auch individuelle Industrieprodukte in kurzen Lieferzeiten und zu möglichst günstigen Preisen. Aktuelle Forschungsbestrebungen versuchen diese Herausforderung mithilfe einer durchgängigen Digitalisierung der Auftragsabwicklung zu lösen. Am PTW wird in diesem Zusammenhang am Konzept Hochleistungswertstrom geforscht.

Definition des Hochleistungswertstroms

In einem Hochleistungswertstrom werden hochindividuelle Produkte zu ähnlichen zeitlichen und preislichen Konditionen wie Standardprodukte angeboten, indem die erforderliche Anpassungsentwicklung auf den Kunden übertragen und die Auftragsabwicklung weitgehend automatisiert wird.

Hochleistungswertstrom im Vergleich zu anderen Produktionskonzepten

Bei der Engineer-to-Order-Produktion entstehen erhebliche Aufwände mit jedem Produkt: Das Produkt muss an die Kundenwünsche konstruktiv angepasst werden mit Auswirkungen auf die Produktionsvorbereitung und Produktion selbst. Der Kundenentkopplungspunkt liegt am Anfang der Auftragsabwicklung.

Bei der Mass Customization entsteht initialer Aufwand, um zum Beispiel einen Produktbaukasten zu entwerfen. Anschließend ist die Produktion jedoch auf diesen Baukasten eingestellt und kann individuelle Produkte innerhalb des Baukastens aufwandsarm bereitstellen. Der Kundenentkopplungspunkt liegt erst nach der Fertigung standardisierter Module und vor der individuellen Montage dieser Module.

Beim Hochleistungswertstrom entsteht ebenfalls hoher initialer Aufwand, um den Produktlösungsraum zu gestalten. Anschließend ist der Aufwand gering. Der Kundenentkopplungspunkt liegt aber wie bei der Engineer-to-Order-Produktion am Anfang der Auftragsabwicklung.

Die 8 Prinzipien eines Hochleistungswertstroms

Das Konzept des Hochleistungswertstroms kombiniert Ansätze aus der Co-Creation mit dem Kunden, dem Quick Response Manufacturing und dem Lean Management. Insgesamt lassen sich acht Grundprinzipien für den Hochleistungswertstrom unterscheiden.

Produktlösungsraum

Grundlage des Hochleistungswertstroms ist das Entwerfen eines Produktlösungsraums auf Basis der Fähigkeiten der eigenen Produktion (zum Beispiel Bauraumgröße der Maschinen). Innerhalb dieses Produktlösungsraums können Kunden ihre Produkte frei anpassen.

Wertstrombefähigung

Der eigentliche Wertstrom ist für jede Lösung innerhalb des Produktlösungsraums vorbereitet.

Einbindung des Kunden

Der Kunde selbst übernimmt in einer Entwicklungsumgebung die individuelle Anpassung des Produkts. Eine herstellerseitige Konstruktionsanpassung ist nicht mehr erforderlich.

Webbasiertes Kundeninterface

Die Kommunikation mit dem Kunden einschließlich dessen Anpassungsentwicklung erfolgt über ein webbasiertes Kundeninterface. Eine Kontaktaufnahme via persönliches Gespräch, Telefon oder E-Mail ist nicht mehr erforderlich

Digital durchgängige Auftragsabwicklung

Der gesamte Auftragsabwicklungsprozess ist digital durchgängig gestaltet. Medienbrüche, wie zum Beispiel das händische Übertragen von Daten aus einer E-Mail in ein IT-System werden konsequent vermieden.

Automatisierung der Auftragsvorbereitung

Die Auftragsvorbereitung erfolgt anhand der Kundeninformationen aus dem webbasierten Kundeninterface automatisiert (beispielweise durch eine automatisierte Erstellung von CNC-Programmen). Hierfür wird das erforderliche Produktionswissen systematisch in Formeln erfasst.

Einfache Produktionsplanung

Aufwendige Produktionsplanungsaktivitäten werden vermieden. Stattdessen werden Aufträge konsequent in der Reihenfolge ihres Eintreffens abgearbeitet (First-in-First-out).

Leistungsfähige Logistik

Der Kunde erhält sein Produkt in kürzester Lieferzeit. Über entsprechende Tracking- und Tracing-Technologien werden die Produktionsschritte einschließlich der Auslieferung überwacht und der Kunde über den Status seiner Bestellung auf dem Laufenden gehalten.

Das Konzept des Hochleistungswertstroms mit einem Praxisbeispiel aus der Leiterplattenherstellung ist in der folgenden Abbildung dargestellt.

Der Hochleistungswertstrom als Game Changer für den Wettbewerbsvorteil

Der Hochleistungswertstrom ermöglicht die Komplexitätsbeherrschung bei individuellen Produkten. Sicherlich sind dem Konzept Grenzen bei sehr stark abweichenden Produkten gesetzt. Aus der Erfahrung lässt sich jedoch sagen, dass die überwiegende Anzahl individueller Lösungsanbieter zwar individuelle Produkte herstellen, aber diese Produkte immer noch große Gemeinsamkeiten aufweisen. Für diese Lösungsanbieter kann der Hochleistungswertstrom ein regelrechter Game Changer für die Wettbewerbsfähigkeit sein.

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