10 Tipps, mit denen Sie eine innovative Unternehmenskultur schaffen

12. July 2016
Management & Strategie, Personal
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Eine innovative Unternehmenskultur zu entwickeln, ist womöglich die schwierigste Herausforderung, der man sich als Unternehmen stellen kann. Gleichzeitig ist dieses Unterfangen aber wohl die wichtigste Bedingung, um in der modernen Wirtschaftswelt nachhaltig erfolgreich zu sein. Deshalb stellen wir in diesem Artikel eine Liste von Kriterien zusammen, die eine innovative Unternehmenskultur ausmachen. Außerdem haben wir mit dem Experten Dr. Christian Schaller darüber gesprochen, was Unternehmen brauchen, um Innovationen zu fördern und welche Techniken er empfiehlt, um gute neue Ideen überhaupt entwickeln zu können.

Die Grundvoraussetzungen für eine innovative Unternehmenskultur

Es gibt drei konkrete Voraussetzungen, die einem Unternehmen Innovationen erleichtern (oder gar möglich machen.) Dabei sind die Motivation der Mitarbeiter, innovativ zu sein, sowie die Einführung von Innovationspraktiken – das aktive managen der Innovationsprozesse – die Aspekte, die stark in Wechselwirkung mit der Unternehmenskultur stehen.

 

Genügend Ressourcen

Ein Unternehmen benötigt Zeit, Personal und finanzielle Mittel für Innovation. Schon deshalb ist es absolut wichtig, dass die Führungskräfte die Innovationsbemühungen selbst mittragen und vorantreiben.

 

Motivation aller Mitarbeiter

Innovation entsteht nicht durch das einsame Genie in seinem Kämmerlein. Sie entsteht meistens durch die Verknüpfung vorhandener Ideen mit den Fähigkeiten zu etwas Neuem. Deshalb sind alle Mitarbeiter wichtig für diesen Prozess. Ideen müssen zwischen den Abteilungen fließen, ein Austausch muss stattfinden. Um das zu erreichen, müssen die Mitarbeiter jedoch auch motiviert sein, kreativ zu denken, zu arbeiten und sich über Ideen auszutauschen. Deshalb ist es an den Führungskräften, motivierende Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kreativität nicht nur zugelassen, sondern erwünscht ist. Dazu bedarf es einer visionären Führung, die den Nutzen von Innovation erkennt und den Mitarbeitern bewusst macht, die ein Umfeld schafft, in dem kreativ gearbeitet werden kann und erfolgreiche Innovationen anpreist und feiert.

 

Aktives Innovationsmanagement

Ein Unternehmen benötigt Werkzeuge zur systematischen Planung und Steuerung von Innovationen. Denn eine gute Idee mag auch durch Zufall entstehen, zum Beispiel beim Spaziergang, am Wasserspender oder beim Mittagessen. Aber solche Ideen sind flüchtig und auch schnell wieder weg. Es braucht definierte Prozesse, die es möglich machen, sie in Konzepte zu gießen und zu marktfähigen Produkten zu machen. Innovation besteht aus mehreren Phasen, in denen jeweils unterschiedliche Stärken gefordert sind. Umso sinnvoller, die verschiedenen Stärken der Mitarbeiter in diesem Prozess systematisch einzusetzen.

 

Kreativität kann man trainieren!

Kreativität ist der Ursprung von Innovation. Und sie ist kein Merkmal einzelner begabter Menschen. Jeder kann kreativ sein – das können Sie trainieren und fördern. Dazu gehört beispielsweise, negative Denkmuster abzubauen, die Kreativität hemmen. Viele Menschen entwickeln diese unbewusst. Auch spezielle Fähigkeiten können gefördert werden. Das Restrukturieren von Informationen, das Querdenken oder Ändern des Blickwinkels, die Offenheit für Neues.

Zudem gibt es leicht anwendbare Kreativitätstechniken, die Sie ins Unternehmen bringen können. Dazu gehören bekannte Methoden wie das Brainstorming und die Mind Map, aber auch unbekanntere Kniffe wie die 6-3-5 Methode, die Walt-Disney-Strategie oder die Kopfstandtechnik. Auch den Ablauf des kreativen Prozesses kann man sich bewusst machen.

Genius is 1 percent inspiration and 99 percent perspiration. Accordingly, a genius is often merely a talented person who has done all of his or her homework.


T. A. Edison

10 Tipps, mit denen Sie eine innovative Unternehmenskultur schaffen

Innovation ist mehr, als Kreativität. Bei der Suche nach Innovationen geht es darum, Lösungen zu finden, über die andere noch nicht nachgedacht haben. Dafür müssen kreative Arbeit und Experimente möglich sein, kreative Menschen und Ideen im Unternehmen zusammengebracht werden und ein Austausch stattfinden, der in einen Innovationsprozess führt.

Ein kreatives Arbeitsumfeld ist facettenreich und muss von der Geschäftsführung gefördert und vorangetrieben werden. Einige wesentliche Aspekte:

Die Geschäftsführung muss Innovation unterstützen
Sie sollte die Mitarbeiter ermutigen, kreativ zu sein und dabei Risiken einzugehen. Außerdem muss sie auch wiederholtes Scheitern als Möglichkeit akzeptieren und in den Innovationsprozess mit einplanen. Die Fehlerkultur des Unternehmens darf den Mitarbeitern keine Angst einjagen.

Die Mitarbeiter brauchen Autonomie und Entscheidungsfreiheiten
Menschen sind kreativer, wenn sie Freiräume haben, ihr eigenes Verhalten selbst lenken und Entscheidungen treffen dürfen. Im Gegensatz dazu sind Menschen zögerlicher und verhalten sich vorsichtiger, wenn sie sich ständig beobachtet, bewertet oder kontrolliert fühlen.

Das Unternehmen benötigt einen innovativen Geist
Das bedeutet einerseits, dass die Führung den Wert von Innovation erkennt und propagiert; andererseits aber auch, dass konkrete Denk- und Arbeitsweisen sowie Gewohnheiten im Unternehmen, in den Teams und in den einzelnen Mitarbeitern gefördert werden.

Vielfalt im Unternehmen ist ebenfalls ein Treiber von Innovation
Unternehmen mit vielen unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Dimensionen haben mehr Perspektiven und Blickwinkel als solche mit einer eher homogenen Belegschaft.

Innovation muss gefeiert werden
Kreatives Denken und Risikobereitschaft sollten Werte für das Unternehmen darstellen. Inspirierte Mitarbeiter, die den Nutzen von Innovation kennen, sind bereit, neue Wege zu gehen und querzudenken.

Es muss Orte im Unternehmen geben, an denen man innovativ sein kann
Mitarbeiter brauchen Zeit und Raum zum Experimentieren und nachdenken. Dafür kann man im Unternehmen auch extra physischen Raum deklarieren, der für Innovation genutzt wird.

Es sollte Spaß machen, im Unternehmen zu arbeiten
Natürlich können auch andere Anreize wirkungsvoll sein, um Kreativität zu fördern. Aber Spaß an der Arbeit ist einer der stärksten Treiber von Kreativität. Vor allem die großen High-Tech-Unternehmen wie Google und Apple leben das heute vor.

Die Tätigkeiten sollten interessant gestaltet sein und intellektuell fordern
Wer sich tatsächlich für seine Arbeit interessiert, der ist mit höherer Wahrscheinlichkeit auch kreativ.

Ideen müssen ausgetauscht und verknüpft werden
Sie sollten keine Abteilungen kennen. Denn wenn immer dieselben Leute an denselben Projekten arbeiten, entsteht mit der Zeit Betriebsblindheit. Es lohnt sich, wenn jemand mit frischen Augen auf eine Problemstellung blickt und Ideen „von außen“ auf sie anwendet. Außerdem entstehen die genialsten Erfindungen meistens aus der Kombination bereits existierender Ideen. Um den Austausch zu ermöglichen, müssen passende Gelegenheiten zur abteilungsübergreifenden Arbeit geschaffen werden.

Innovation braucht Prozesse, die Ideen zu Produkten machen
Ideen sollten nicht im Sande verlaufen und es braucht Prozesse, um ihr Potenzial freizusetzen. Aber Vorsicht: Zu viele Standards, Regeln und Vorgaben sind auch oft Innovationskiller. Außerdem muss vermieden werden, dass zu viel Zeit mit schlechten Ideen verbracht wird – und das ist ein schmaler Grat.

Eine innovative Unternehmenskultur aufzubauen, ist mitunter ein langwieriger Change-Prozess. Aber er lohnt sich, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Anfängliche Ideen gibt es oftmals viele – aber wie generieren Sie daraus echte Innovationen, die Ihrem Unternehmen Wettbewerbsvorteile und Gewinn bringen? Dr. Christian Schaller ist bei der Pfinder KG für das Innovationsmanagement zuständig und weiß, dass ohne eine entsprechende Unternehmenskultur gute Ideen keine Chance haben.

Warum aus Expertensicht für echte Innovationen die Unternehmenskultur mitspielen muss

Herr Dr. Schaller, welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Entwicklung von Innovationen, um dem Wettbewerb einen Schritt voraus sein zu können?

Eine sehr große! Das Unternehmen muss bereit sein, den Blick über den Tellerrand zu wagen, offen für Neues zu sein. Und das muss im ganzen Unternehmen gelebt werden. Das heißt, nicht immer den bequemen altbekannten Weg gehen, die Liebe zum Tüfteln ist gefragt.

Und daneben ist harte Arbeit notwendig, um Innovationen wirklich entwickeln zu können.

Dazu gehört insbesondere die Beziehungspflege zu Kunden. Sie müssen wissen, wo deren Schuh drückt und Verständnis für die Bedürfnisse aufbauen. 

Wir bei Pfinder müssen immer auch einen Blick auf den Rohstoffmarkt und die gesetzlichen Entwicklungen haben. Welche Rohstoffe stehen uns auch noch in fünf bis zehn Jahren zur Verfügung, welche sind gesundheitlich unbedenklich? Es ist extrem wichtig, nicht nur einen Aspekt zu betrachten. Es fällt mir schwer, dies als Techniker zu sagen, aber ob wir langfristig erfolgreich sein werden, hängt nicht mehr nur von einer überlegenen Technologie ab. Ich finde ein Zitat von Darwin sehr treffend, welches die Rolle der Unternehmenskultur unterstreicht:

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist, sich zu verändern.“

 

Wie geht Ihr Unternehmen mit dieser Erkenntnis um – woher kommen die Ideen für Innovationen?

Zunächst einmal ist es wichtig, im Unternehmen ein allgemeines Verständnis für Innovationen zu bekommen. Wir haben festgestellt, dass es selbst in einem kleinen Unternehmen wie der Pfinder KG verschiedene Vorstellungen davon gibt, was das Wort „Innovation“ überhaupt bedeutet. Nach unserer Definition bedeutet es: Eine Produkt- oder Prozessneuerung oder aber eine Dienstleistung mit Alleinstellungsmerkmal, die vom Kunden durch seine Bestellung honoriert wird.

Kurz gesagt: Es bringen die schönsten Ideen nichts, wenn wir diese nicht verkauft bekommen und noch wichtiger, wir müssen damit Geld verdienen!

Das Innovationsmanagement beschäftigt sich daher mit der systematischen Planung, Steuerung und Kontrolle von Innovationen und dient damit der Umsetzung unserer Unternehmensstrategie. 

Man muss unterscheiden, dass anders als bei der Kreativität, bei der es um die Entwicklung von Ideen geht, das Innovationsmanagement insbesondere auf die wirtschaftlich erfolgreiche Verwertung von Ideen ausgerichtet ist.

Die Ideen bei Pfinder kommen in erster Linie von den Mitarbeitern. Den Anstoß dazu erhalten Sie meist direkt aus dem Innovationsumfeld, das heißt über unsere Schnittstellen. Unsere Kunden spielen hierbei die wichtigste Rolle, da wir die Produkte ja für sie entwickeln. Daneben sind auch unsere Rohstofflieferanten nicht zu vernachlässigen. Neue innovative Rohstoffe und daraus resultierend neue Produkte sind für uns essentiell. Daneben sind auch sogenannte Expertennetzwerke ein wichtiger Baustein. Das heißt, hier suchen wir gezielt Kontakt zu anderen Unternehmen, die ähnliche Technologien oder Rohstoffe einsetzen, aber nicht im direkten Wettbewerb stehen. Auch Hochschulkooperationen sind ein Baustein, sowohl bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter als auch bei der Bearbeitung von Grundlagen durch Praktika. Veranstaltungen wie Messen oder Publikationen gehören auch dazu.

Auf die richtige Technik kommt es an

Wie gehen Sie bei der Pfinder KG vor, um neue Ideen zu generieren? Gibt es ein Modell, das Sie empfehlen können?

Googelt man heute das Wort „Innovationsmanagement“ bekommt man 770.000 Treffer. Ergänzt man den Suchbegriff durch „Bausteine“ oder „Modelle“, sind es immer noch 75.000 Treffer. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle, vom Trichter Modell über das 2-, 3-, 4- und 5-Säulen-Modell. Letztendlich muss jedes Unternehmen ein für sich passendes Modell entwickeln, um den jeweiligen Anforderungen der Industrie und auch den Eigenheiten des Unternehmens Rechnung zu tragen.

Wir haben bei Pfinder ein relativ einfaches und übersichtliches 3-Säulen-Modell entwickelt. Dazu stellen wir uns die folgenden drei Fragen:

Woher bekomme ich Ideen?

Wie bekomme ich Ideen?

Welche Hilfsmittel benötige ich dazu?

Das bedeutet konkret, dass wir diese drei Säulen beziehungsweise Bausteine im Innovationsprozess haben:

Das Innovationsumfeld, das heißt die Ideenquellen

Den Innovationsprozess

Die Innovationswerkzeugkiste

Langfristige Wettbewerbsfähigkeit ist das Ziel

Wie sieht dann der Innovationsprozess aus, bis am Ende ein neues Produkt steht?

Es ist ein langer Weg von einer Idee bis zu einem kommerziell erfolgreichen Produkt. Bei der Pfinder KG steht am Anfang immer ein ungelöstes Problem, eine Anforderung oder ein Kundenwunsch, für den wir eine Antwort finden müssen. Mögliche Lösungsansätze werden dann entweder methodisch in sogenannten Kreativitätsworkshops erarbeitet oder man bedient sich aus unserem Ideenspeicher, den wir kontinuierlich mit dem Input unserer Mitarbeiter füttern. Dieser Lösungsansatz kann dann in einem 2P-Projekt (das heißt Vorentwicklungsprojekt) hinsichtlich technischer Machbarkeit überprüft werden. 

Hat eine Idee dann einen gewissen Reifegrad oder eine Realisierungschance, wird ein 3P-Projekt (das heißt Serienentwicklungsprojekt) für eine Produktentwicklung in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden gestartet und dann hoffentlich umgesetzt.

 

Und danach? Was darf nicht vernachlässigt werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wir sind nicht mehr alleine! Mit anderen Worten, der Wettbewerb schläft nicht. Auch wenn wir bei Pfinder in den meisten Bereichen die Nase vorne haben. Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Es geht uns wie in allen anderen Bereichen der Lackbranche, die Anwendungen werden immer spezieller, die Applikationstechnik wird besser. Ein gestiegenes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein und daraus resultierend verschärfte Gesetzgebung schränken die Rohstoffauswahl ein. Gleichzeitig werden die Anforderungen unserer Kunden hinsichtlich der Qualität immer höher, der Kostendruck steigt. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

Für einen mittel- bis langfristigen Erfolg sind meines Erachtens folgende Dinge notwendig: Technisch gute Produkte in konstanter Qualität, Liefersicherheit und eine einwandfreie technische und kommerzielle Betreuung.

Das Vorhaben allein reicht nicht aus

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, um das Innovationsmanagement ins Rollen zu bringen?

Es wird nicht reichen zu sagen, ab heute machen wir Innovations- und Ideenmanagement und wir sind innovativ. Hier steckt harte Arbeit dahinter und es ist die Aufgabe jeder Führungskraft, für eine positive und innovationsfreundliche Unternehmenskultur zu sorgen. Dazu gehört auch, Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen. Vertrauen in die Fähigkeit der Experten zu setzen.

Gleichzeitig muss den Mitarbeitern aber bewusst gemacht werden, dass sie selbst ein Teil der Erfolgsgeschichte des Unternehmens sind, sodass Motivation und Eigeninitiative gefördert werden. Dann können Ideen und anschließend echte Innovationen entstehen!

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