Zahlen Sie noch oder Swish-en Sie schon?

23. September 2016
Banken
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Schweden ist nicht nur ein schönes, sondern auch ein sehr innovatives Land. So führten die Nordlichter als erste europäische Nation die Banknoten ein. Und auch die Bankautomaten wurden durch die Schweden etabliert – und das noch vor den USA. Jetzt steht eine neue Revolution vor der Tür: Das bargeldlose Schweden.

Wer bar zahlt, hat etwas zu verbergen

Nur jeder fünfte Einkauf wird in Schweden mit Bargeld getätigt. In Deutschland ist es jeder zweite! Während vor sechs Jahren noch 106 Milliarden Kronen im Umlauf waren, sind es heute nur noch 80. Und niemand scheint in Schweden das Bargeld zu vermissen. Denn überall, angefangen von der Kirche bis hin zu Flohmärkten und Toilettenhäuschen, gibt es bargeldlose Bezahlmethoden.

Auch die Banken sind führend dabei, um das skandinavische Land zu einer cashless society zu transformieren. Die Hälfte der knapp 1.800 schwedischen Bankfilialen führt gar kein Bargeld mehr und akzeptiert dieses nur unter Vorbehalt. Es soll schon passiert sein, dass bei einer Bareinzahlung die Polizei gerufen wurde. Denn in Schweden steht Bargeld für Kriminalität.

If you have to pay in cash, something is wrong.


Mikael Krogerus für die Credit Suisse

Gründe für eine Cashless Society

Zeitersparnis

Auch Restaurants und Bars verzichten vermehrt auf Bargeld. Obwohl sie Gebühren zahlen müssen, sparen sie durch das fehlende Hantieren mit Bargeld einen personellen und zeitlichen Zusatzaufwand ein und minimieren zudem das Sicherheitsrisiko.

Kriminalitätsbekämpfung

Ein weiteres wichtiges Argument für eine bargeldlose Gesellschaft ist die Bekämpfung der Schattenwirtschaft. Denn nur die Hälfte des vorhandenen Bargeldes zirkuliert regelmäßig.

Außerdem erhofft man sich durch diese Umstellung eine Eliminierung von Banküberfällen und weiteren Diebstählen – diese machen ohne Bargeld keinen Sinn mehr. Und es scheint zu funktionieren: Bereits 2012 gab es nur noch fünf Banküberfälle in Schweden. Als Wunderwaffe betrachten die Schweden die Bargeldlosigkeit jedoch nicht. Denn anstatt der Banküberfälle komme es zu vermehrtem Identitätsdiebstahl.

Hygiene

Auch aus hygienischer Sicht ist die Abschaffung des Bargeldes von Vorteil. Dieses gilt als eine große Schmutzquelle und verbreite Bakterien und Krankheiten. Mikrobiologe Richard Hastings und seine Kollegen fanden außerdem heraus, dass auf den Zahlenblöcken von Bankautomaten in England ebenso viele Keime und Erreger zu finden sind wie auf öffentlichen Toiletten.

Eine Doku von 3sat (1:10 h) widmet sich dem bargeldlosen Zahlen:

https://www.youtube.com/watch?v=qo9RVoIQacM

Aufgeschlossene Schweden

Anders als in Deutschland haben die wenigsten Schweden Datenschutz-Bedenken, wenn es um Mobile Payment geht. Allgemein sind schwedische Bürger technischen Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen. Grund dafür ist vor allem die vorliegende Transparenz. So sei es in Schweden nicht schwer herauszubekommen, was beispielsweise Nachbarn verdienen.

Banken werden zu App-Entwicklern

Dass Schweden auf Bargeld verzichten kann, liegt an technischen Errungenschaften. So wird beispielsweise die Kirchenkollekte bereits seit Jahren mit einem Kollektomaten gesammelt. In nur wenigen Handgriffen kann mit der Kreditkarte der gewünschte Betrag für die entsprechende Organisation gespendet werden.

Doch vor allem die App Swish hat das Mobile Payment in Schweden vorangebracht. Diese App wurde von den sechs schwedischen Großbanken entwickelt. Sie ermöglicht, jegliche Zahlungen in wenigen Sekunden mit dem Handy zu tätigen. Lästige Eingaben der IBAN sind so nicht mehr notwendig, lediglich die Mobilnummer des Empfängers benötigt man für eine Transaktion. Der Betrag wird dann in Echtzeit auf das verbundene Konto überwiesen.

Swish – bevorzugte Zahlungsmethode

Diese Einfachheit hat dazu beigetragen, dass sich die 2012 entwickelte App in Windeseile in ganz Schweden verbreitet hat. Ende August 2016 hatte Swish bereits 4,7 Millionen Nutzer und dort mit 43 Prozent als bevorzugtes Zahlungsmittel unter Freunden. So kann bei einem gemeinsamen Abendessen in großem Kreis einer bezahlen und die restlichen Freunde überweisen ihren Anteil in Echtzeit an den Bezahlenden.

Egal ob bei großen oder kleinen Beträgen, im Café, Supermarkt, auf dem Flohmarkt oder beim Kauf von Bahntickets – überall kann Swish eingesetzt werden.Sogar die Obdachlosen-Zeitschrift kann mit der schwedischen App gekauft werden.

Wie auch schon das Wort „googeln“ im deutschen Sprachgebrauch zu einem Verb avanciert ist, so ist beinahe jedem Schweden das Verb „swisha“ bekannt. Nur in ländlichen Gebieten und bei älteren Einwohnern ist Swish noch eher unbekannt. Zudem können Schweden-Urlauber die App nicht nutzen, da dafür ein schwedisches Bankkonto benötigt wird. Doch auch das kann und soll sich bald ändern.

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