Gute Führungskommunikation? Das sind die Dos & Don’ts!

29. October 2019
Führungskompetenz, Soft Skills
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„Man kann nicht NICHT kommunizieren!“ – so lautet die erste der fünf Grundregeln von Paul Watzlawick, welche die menschliche Kommunikation beschreiben sollen. Und gleich die erste ist so wahr! Denken Sie einmal nach: Ob verbal oder nonverbal, wir Menschen kommunizieren immer. Eine wichtige Frage, die sich dabei aber schnell stellt, lautet: Machen wir das deshalb auch immer gut? Und müssen Sie als Führungskraft eigentlich etwas anders machen, als in der Kommunikation unter Kollegen oder im Privatleben?

Was gute Führungskommunikation wirklich ausmacht und was Sie als Führungskraft tunlichst vermeiden sollten, um Ihre Mitarbeiter erreichen und überzeugen zu können, haben wir in zwölf praktischen Tipps für Sie zusammengefasst!

Wie lässt sich Kommunikation definieren und beschreiben?

Etwas Alltägliches, das man ganz selbstverständlich ohne viel nachzudenken, ständig tut, ist sehr schwer zu definieren. Paul Watzlawick, ein bekannter Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut und Autor, hat zu Lebzeiten das Mysterium der menschlichen Kommunikation in fünf Grundregeln versucht zu erklären. Um die folgenden Tipps für Ihre tägliche Führungskommunikation noch besser zu verstehen, wollen wir Ihnen daher Watzlawicks Grundregeln noch einmal kurz ins Gedächtnis rufen:

Man kann nicht NICHT kommunizieren

Ein einfacher Satz, in dem viel Wahrheit steckt: Denn auch wenn wir nicht sprechen, drücken wir durch unsere Gestik, Mimik oder Körperhaltung immer etwas aus – wir kommunizieren also mindestens nonverbal mit unserer Umwelt.

Beispiel: Sie sitzen auf einem Stuhl in Ihrem Büro und starren mit gesenktem Kopf auf Ihren Schreibtisch als ein Kollege vorbeikommt. Auch wenn Sie in diesem Moment nicht sprechen und Ihren Kollegen nicht beachten, kommunizieren Sie sehr eindrucksvoll durch Ihre Haltung: Sie kommunizieren Ihrem Kollegen, dass Sie gerade nicht mit ihm sprechen möchten.

Jede Kommunikation hat immer einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Auch diese Regel erscheint schnell sehr logisch, wenn wir unsere tägliche Kommunikation einmal etwas untersuchen. Wir können einfach nicht rein informativ kommunizieren. Jede menschliche Äußerung enthält auch immer unsere persönliche Wertung und damit eine Beziehungsaussage.

Beispiel: Wenn Sie sagen „Sie haben eine spannende Präsentation gehalten. Haben Sie diese allein erarbeitet?“, dann informieren Sie nicht nur darüber, dass eine Präsentation gehalten wurde und diese spannend war. Sie äußern auch, dass Sie die Präsentation persönlich sehr spannend fanden, werten also und setzen mit Ihrer Frage nach der Erarbeitung noch einen drauf und vertiefen das Gespräch – also Inhalts- und Beziehungsaspekt.

Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
Wenn wir kommunizieren, reagieren wir auf einen Reiz – etwas, das wir sehen, hören, schmecken, fühlen. Ein anderer reagiert darauf. Bei Kommunikation handelt es sich also um einen Kreislauf von Ursache und Wirkung.

Beispiel: Ihr Kollege fragt Sie etwas – Sie reagieren. Ihr Kollege zeigt Ihnen etwas – Sie reagieren. Sie beschreiben etwas – ein Kollege reagiert.

Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Das gesprochene Wort oder der Inhalt Ihrer Aussage ist meist der digitale Teil unserer Kommunikation. Der analoge Teil stellt hingegen die Beziehung dar. Dies kann zum Beispiel über eine Zeichnung oder einen Gesichtsausdruck erfolgen. Auch hier wird also wieder deutlich, dass Regel zwei zutrifft: Es gibt immer einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt und diese beiden werden auf unterschiedliche Weisen ausgedrückt.

Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Beziehungen zwischen Gesprächspartnern basieren entweder auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit in ihren Verhaltensweisen. Das ist Ihnen sicherlich auch schon aufgefallen, mit einigen sind Sie auf einer Wellenlänge und sich schnell einig, in dem, was Sie tun wollen. Mit anderen ist es das genaue Gegenteil. Diese Erkenntnis ist ein sehr wesentlicher Aspekt der Kommunikation, den Sie bei der Wahl Ihrer Kommunikation stets beobachten sollten.

Wo liegt der Schlüssel zu guter Führungskommunikation?

Gerade im Führungsalltag ist gute Kommunikation einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für Ihren Erfolg. Nur, wenn Ihre Führungskommunikation stimmt, funktioniert auch die Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Vorgesetztem und Ihren Mitarbeitern. Ob regelmäßige Meetings, Small-Talk zwischen Tür und Angel oder die jährlichen Mitarbeitergespräche, Sie kommunizieren tagtäglich eine ganze Menge – und zwar mit einer ganzen Menge unterschiedlicher Personen.

Da sind natürlich auch Konflikte vorprogrammiert. Um diese erfolgversprechend zu lösen, haben wir Ihnen bereits das Harvard-Konzept der Konfliktlösung vorgestellt. Erinnern Sie sich? Noch besser ist es natürlich, wenn Sie Konflikte erst gar nicht entstehen lassen.

Versuchen Sie also von vornherein zu vermeiden, dass es zu unangenehmen Situationen kommt. Die Grundregeln von Paul Watzlawick bringen einem da schon eine Menge wichtige Erkenntnisse, die man sich von Zeit zu Zeit wieder ins Gedächtnis rufen sollte, um seine Kommunikation effizienter zu gestalten. Damit Sie jetzt den Grundstein für eine gut funktionierende Zusammenarbeit legen und somit Missverständnisse, Verärgerung oder Unsicherheit weitgehend umgehen können, haben wir aus den sehr theoretischen Ansätzen, zwölf praktische Tipps für Sie formuliert. So verbessern Sie Ihre Führungskommunikation sofort nachhaltig!

Was macht gute Führungskommunikation aus – und was sollten Sie vermeiden?

Aufmerksamkeit statt Desinteresse

Fallen Sie im Alltag nicht durch Desinteresse auf, sondern signalisieren Sie Gesprächspartnern immer Ihre volle Aufmerksamkeit:

    Schauen Sie nicht aus dem Fenster oder auf Ihre Hände.

+    Nicken Sie von Zeit zu Zeit zustimmend und halten Sie Blickkontakt.

Gezielte Fragen statt Ausquetschen

Fragen Sie Ihren Gesprächspartner nicht ungehalten aus, sondern stellen Sie ganz gezielte Fragen, um Informationen und Meinungen zu erhalten:

-     „Warum haben Sie dazu noch nichts gesagt?“

+    „Wie ist denn Ihre Meinung zu diesem Thema?“

Zusammenfassung statt Strukturlosigkeit

Verlieren Sie nicht den roten Faden, sondern fassen Sie in Gesprächen auch mal Abschnitte zusammen, bevor Sie weitermachen:

-     Stundenlange Monologe oder Frage-Antwort-Spiele ohne Struktur.

+    „Das bedeutet also, dass wir Lösung A bevorzugen und Lösung B als Plan B im Kopf    
      behalten. Kommen wir zum nächsten Punkt.“

Meinungsfreiheit statt Reizformulierung:

Benutzen Sie keine Reizformulierungen, sondern sagen Sie einfach, wo und warum Sie anderer Meinung sind:

-     „Aber das Problem ist, dass wir es so trotzdem nicht hinbekommen werden.“

+    „Ich denke, wenn wir die Kollegen nach den Details fragen, kommen wir sicher weiter.“

Gefühlssensor statt Unterstellungen

Machen Sie Ihrem Gegenüber bei Meinungsverschiedenheiten keine Unterstellungen, aber sprechen Sie Emotionen immer direkt offen an:

-     „Das Meeting ist nicht gut gelaufen, weil Sie nach fünf Minuten schon beleidigt waren,
      dass Ihr Vorschlag nicht gewonnen hat.“

+    „Sind Sie enttäuscht darüber, wie das letzte Meeting verlaufen ist?“

Ich-Botschaft statt Du-Botschaft

Nutzen Sie niemals Du-Botschaften, sondern immer Ich-Botschaften, um Ihren Standpunkt zu vertreten – das nimmt insbesondere in Konfliktsituationen die Schärfe aus dem Gespräch:

-     „Sie arbeiten für dieses Projekt immer allein.“

+    „Ich habe in den letzten Tagen beobachtet, dass Sie sich wenig mit den anderen
      Projektmitgliedern austauschen.“

Konfliktansprache statt Verallgemeinerung

Verallgemeinern und befehlen Sie nichts, sondern sprechen Sie Konflikte ganz konkret an:

-     „Beruhigen Sie sich erst einmal! Immer müssen Sie sich aufregen. So kommen wir nicht      
      weiter.“

+    „Ich finde diese Situation so nicht gut, weil wir aneinander vorbeireden.“

Positivität statt Negativität

Formulieren Sie Ihre Botschaften nicht negativ, sondern in positiven Worten:

-     „Gehen Sie nicht so verschwenderisch mit den Zetteln um.“

+    „Gehen Sie bitte etwas weniger großzügig mit den Zetteln um.“ oder noch besser „Achten
      Sie bitte etwas mehr auf die Anzahl der genutzten Zettel.“

Verständnis statt Drohung

Drohen Sie Ihrem Gesprächspartner nicht, sondern zeigen Sie Verständnis:

-     „Denken Sie an die Folgen, wenn Sie das jetzt nicht hinbekommen.“

+    „Ich kann sehr gut verstehen, dass Ihnen das schwer fällt. Ich unterstütze Sie gern
      dabei.“

Erkundigung statt Belehrungen

Belehren Sie Ihre Mitarbeiter nicht, sondern erkundigen Sie sich nach deren Erwartungen:

-     „Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass das nicht geht.“

+    „Was erwarten Sie für die zukünftige Zusammenarbeit?“

Wünsche statt Vorwürfe

Vermeiden Sie Vorwürfe, nennen Sie lieber Ihre Wünsche:

-     „Sie arbeiten für dieses Projekt immer allein.“

+    „Ich wünsche mir, dass Sie sich zu diesem Projekt mehr mit den anderen Teammitgliedern
      austauschen.“

Verbindlichkeiten statt Schwammigkeit

Treffen Sie keine schwammigen Aussagen, sondern signalisieren Sie Verbindlichkeiten:

-     „Ja, das schauen wir mal. Vielleicht können wir das ja demnächst mal umsetzen.“

+    „Ich kümmere mich am Montag darum und dann rufe ich Sie danach direkt an.“

Waren diese Tipps hilfreich?

Wir hoffen, dass diese Tipps Sie in Ihrer Führungskommunikation unterstützen, sodass Sie Gespräche gezielter und effizienter gestalten können und durch Aufmerksamkeit, Professionalität und Transparenz Konflikte weitgehend vermeiden und im Ernstfall schnell lösen können.

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