Elektromobilität – die Zukunft des elektrischen Ladens

10. July 2018
Automotive, Digitalisierung, Energie & EVU
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Elektromobilität ist auf dem Vormarsch, nicht zuletzt wegen des Diesel-Skandals. Aber wie schnell wird die Technologie sich durchsetzen und welche Veränderungen seitens der Kommunen und der Regierung sind nötig? Unsere Expertin Tina Zierul kennt die Details zur Elektromobilität. Sie hat uns Rede und Antwort gestanden.

USA ist uns in Sachen Elektromobilität einige Schritte voraus

Was für Erfahrungen hat man in den USA gemacht, die wir uns abschauen können?

Wir können vor allem von Kalifornien in Sachen Elektromobilität lernen. Dort haben viele Firmen Ladepunkte für ihre Mitarbeiter installiert. Und schon stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Mitarbeiter ein E-Auto kaufen um das Sechsfache. Außerdem hat ChargePoint dort Geschäftsmodelle etabliert, die ohne Subventionen auskommen. Der Supermarkt-Kette Target haben wir zum Beispiel beweisen können, dass Kunden deutlich länger zu ihnen einkaufen kommen, wenn sie das Laden von E-Autos anbieten – in den ersten beiden Stunden kostenlos. Als wir ihnen die Daten aus unserer Cloud vorgelegt haben, waren sie sehr positiv überrascht und haben begonnen, in Ladeinfrastruktur zu investieren. Die Rechnung geht auf: Der Kunde gibt einen Dollar pro Minute mehr aus im Target-Markt und das überwiegt die Kosten für eine Minute laden bei Weitem.

Arbeitgeber könnten sich in Sachen Elektromobilität engagieren

Welche Erwartungen haben Sie? Sind die Deutschen bereit für die Elektromobilität oder wird die Umsetzung hier länger dauern?

Deutschland ist Firmenwagen-Land. Wir haben aber in den letzten Jahren vor allem das öffentliche Laden in den Innenstädten und das Schnellladen an den Autobahnen gefördert. Nun müssen wir das Laden beim Arbeitgeber angehen.

 

Welche Betreiber-Lösungen von Ladestationen gibt es, vielleicht können Sie uns einen kurzen Einblick geben?

Es gibt zwei Marktrollen, der Ladestations-Betreiber und der e-Mobility Service Provider. Ersterer ist zum Beispiel eine Kommune oder ein Supermarkt, letzterer ist zum Beispiel ein Anbieter von Ladekarten. Ein Betreiber kann die Ladestation besitzen und betreiben und meist übernehmen wir den Betrieb im Hintergrund für den Kunden. Für den Betreiber haben wir Ladestationen für Gebäude, für Parkplätze, für Tankstellen mit Anbindung an unsere Cloud Services. Er kann damit Laden, Preise für verschiedene Nutzer einstellen, die Auslastung sehen. Und wir sind 24/7 im Hintergrund für ihn da, damit die Ladestation reibungslos läuft und die Nutzer uns bei Fragen anrufen können.

Nachholbedarf: Induktives Laden

Sind einheitliche Standards angedacht?

Bei den Steckern existieren in der EU bereits einheitliche Standards, es gibt für das Normalladen den sogenannten Typ-2-Stecker und für das Schnellladen das Combined Charging System mit dem Combo-2-Stecker. Beim induktiven Laden dauert es noch und bei den IT-Protokollen für die Kommunikation von Cloud zu Cloud oder Ladesäule zu Cloud gibt es freiwillige Industrie-Standards.

Warten auf die Gesetzesreform zur Elektromobilität

Wie viel mehr Ladestationen brauchen wir? Sind wir ausreichend vorbereitet auf die Nachfrage, die da kommt oder könnte es Engpässe geben?

Die Ladestationen müssen etwas zeitversetzt vor dem Fahrzeug-Hochlauf errichtet werden, damit die Menschen keine Reichweiten-Angst verspüren. Engpässe oder sagen wir Markthemmnisse bestehen vor allem dort, wo ich keine Station genehmigt bekomme, also im Mietverhältnis oder bei Eigentümergemeinschaften. Hier benötigen wir dringend eine Gesetzes-Reform und eine Art „Recht auf einen Ladepunkt“.

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