Gesunde Führung: Warum die Mitarbeitergesundheit auch Chefsache ist

26. March 2018
Führungskompetenz, Pharma & Gesundheit, Soft Skills
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Gesunde Führung – ist das überhaupt möglich? Diplom-Psychologin Miriam Fritsch-Kümpel sagt ganz klar, ja! Denn die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter ist immer auch Chefsache – und damit ist es Ihre Aufgabe als Führungskraft, dafür zu sorgen, dass Ihr Team gesund und leistungsstark bleibt. Wie Sie die nötige Erfolgsbasis für eine erstklassige Mitarbeiterführung schaffen, haben wir die Expertin in einem exklusiven Interview genauer gefragt.

Vorsorge ist immer besser als Nachsorge

Frau Fritsch-Kümpel, inwieweit ist die Gesundheit der Mitarbeiter Chefsache?

Führungskräfte haben einen bedeutsamen Einfluss auf den Erhalt und die Förderung der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Und die psychische Gesundheit wirkt sich wiederum auf die physische Gesundheit aus.

Eine Vielzahl an Studien belegt den Zusammenhang zwischen der Führung und der Gesundheit der Mitarbeiter. Mitarbeiter, die durch ihren Vorgesetzten wenig unterstützt werden, leiden vermehrt unter Nacken- und Schulterbeschwerden sowie unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mitarbeiter, die hingegen Unterstützung durch ihren Vorgesetzten erfahren, sind stressresistenter und deutlich weniger in Ihrer Stimmungslage beeinträchtigt.

Studien haben zudem ergeben, dass soziale Unterstützung durch die nächsthöhere Ebene, die Arbeitszufriedenheit erhöht.

 

Wie können Führungskräfte vorbeugen, um zu vermeiden, dass Mitarbeiter krank oder leistungsschwächer werden?

Ein guter Tipp für Führungskräfte ist es, im ersten Schritt die eigene Belastung zu prüfen, um eine mögliche „Stress-Ansteckung“ der eigenen Mitarbeiter zu vermeiden. Vielen Führungskräften ist nicht bewusst, dass sie ihr Führungsverhalten unter Druck massiv verändern und damit eine Atmosphäre der Hektik und des Drucks verbreiten, die das konzentrierte Arbeiten der Mitarbeiter erschwert.

Des Weiteren ist insbesondere ein fehlendes Interesse am Mitarbeiter und eine fehlende soziale Unterstützung ein zentraler Faktor bei der Entstehung von Leistungseinbußen und erhöhten Arbeitsunfähigkeitszeiten. Gereiztheit, arbeitsbezogene Ängste sowie Erschöpfungsdepressionen kommen bei Mitarbeitern, die sich nicht sozial unterstützt fühlen, häufiger vor. Sie haben ein niedrigeres Selbstwertgefühl und weisen eine deutlich geringere Lebenszufriedenheit auf.

Gesunde Führung gelingt nur durch Selbstfürsorge und Beobachtung

Als Führungskraft sollte man auch bewusst und gesund mit sich selbst umgehen. Sie sprechen in diesem Zusammenhang von der Schlafhygiene. Was bedeutet das?

Nur wenn ich gut zu mir bin, kann ich auch gut zu anderen sein. Selbstfürsorge ist der Grundbaustein für eine gesunde Führung. Hier gilt es, mich als Führungskraft mit meinen Bedürfnissen und Defiziten auseinander zu setzen und Antworten auf die folgenden Fragen zu finden:

Wie geht es mir?

Was brauche ich?

Was fehlt mir?

Wie kann ich dafür Sorge tragen, dass es mir gut geht und mir die Arbeit Spaß macht?

Ein spanisches Sprichwort bringt den Sachverhalt sehr schön auf den Punkt:

Ein Mensch, der zu beschäftigt ist, sich um seine Gesundheit zu kümmern, ist wie ein Handwerker, der keine Zeit hat, seine Werkzeuge zu pflegen.


Spanisches Sprichwort

Wenn ich mich also als Führungskraft vernachlässige, bin ich auch nicht mehr in der Lage, meine Führungsaufgabe kraftvoll und gewissenhaft zu erfüllen.

Schlafhygiene ist an dieser Stelle nur ein Aspekt von vielen. So sollte ich nicht nur für ausreichenden Schlaf sorgen, sondern auch auf die richtige Schlafumgebung und auf weitere schlafrelevante Verhaltensweisen achten.

 

Gibt es typische Warnsignale, die Führungskräfte bei sich selbst und bei ihren Mitarbeitern erkennen können? Wann ist der Stresspegel eindeutig zu hoch?

Stresssignale zeigen sich in der Regel immer auf vier Ebenen: Körper, Verhalten, Gedanken und Gefühle. Versuchen Sie Ihre Wahrnehmung auf diesen Ebenen zu schärfen. Beobachten Sie sich gezielt, indem Sie zum Beispiel nach bestimmten Stresssituationen Ihre Stressreaktionen auf den genannten Ebenen dokumentieren. Dadurch kommen Sie Ihrem persönlichen Stressmuster auf die Spur.

Geht es hingegen darum, Stressbelastung beim Mitarbeiter zu erkennen, so zeigen sich auch hier die Signale insbesondere im Verhalten oder auch in kognitiven Leistungseinbußen und einer Fehlerhäufung. Seien Sie sensibel für Veränderungen beim Mitarbeiter und sprechen Sie diese direkt an. Fragen Sie, was los ist und bieten Sie Ihre Unterstützung an.

Wenn Sie das Gefühl haben, das gesamte Team ist belastet, aber die Ursachen bleiben diffus, gehen Sie diesen nach, zum Beispiel durch gezielte Gespräche oder in Workshops.

Führungskräfte können das Betriebsklima beeinflussen

Wie Sie bereits sagten, geht es ja nicht nur um einzelne Mitarbeiter. Kollegen sprechen miteinander und über einander. Inwiefern trägt das Betriebsklima zum Faktor Gesundheit bei?

Das Betriebsklima hat einen hohen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit und ist demnach auch ein Gesundheitsfaktor. Selbstverständlich können Sie als Führungskraft nicht alleinig das Betriebsklima beeinflussen, aber auch hier haben Sie Möglichkeiten, mit Ihrem Führungsverhalten zu einer positiven Stimmung beizutragen. Zeigen Sie zum Beispiel Interesse. Intensivieren Sie den Kontakt und den Austausch mit ihren Mitarbeitern. Begrüßen Sie Ihre Mitarbeiter am Morgen persönlich, gratulieren Sie jedem Mitarbeiter zum Geburtstag, führen Sie Willkommensgespräche nach jeder Erkrankung. Sie zeigen Ihrem Mitarbeiter: „Sie sind mir wichtig!“

Und auch, wenn es um Flurfunk und Gerüchteküchen geht, haben Sie die Möglichkeit diese mit zu gestalten. Leben Sie Transparenz und kommunizieren Sie offen! Gerade in Zeiten der Veränderung ist Ehrlichkeit und Transparenz wichtig. Achten Sie darauf, dass relevante Informationen ohne Verzögerung direkt bei Ihren Mitarbeitern ankommen. So lässt sich ein Hochkochen in der Gerüchteküche direkt im Keim ersticken.

Praktische Tipps für eine gesunde Führung

Verinnerlichen Sie, dass Sie mehr Einfluss auf die Anwesenheit Ihrer Mitarbeiter haben, als es Ihnen bisher bewusst war. Gesunde Führung, das ist oft einfacher als man denkt. Sie brauchen dafür keine besondere Qualifikation, dafür aber eine ordentliche Portion Selbstfürsorge und Menschenfreundlichkeit. Fangen Sie bereits morgens damit an, Veränderungen umzusetzen. Oft sind es bereits die kleinen Dinge, die eine große Wirkung erzielen!

Konkret könnten Sie zum Beispiel morgen damit anfangen:

Täglich die eigene Belastung zu prüfen, um eine mögliche „Stress-Ansteckung“ der eigenen Mitarbeiter zu vermeiden.

Sensibel für die Belastungssignale der Mitarbeiter zu werden. Wenn Sie Veränderungen bemerken, sprechen Sie diese an. Fragen Sie, was los ist und bieten Sie Ihre Unterstützung an.

Vermehrt Interesse am Mitarbeiter zu zeigen beziehungsweise diesen zu intensivieren, zum Beispiel durch eine persönliche Begrüßung am Morgen oder das Angebot eines gemeinsamen Mittagessens.

Kommunikation beeinflusst die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern

Frau Fritsch-Kümpel, dass die Kommunikation einen wichtigen Faktor im Führungsalltag darstellt, ist bekannt. Wie zahlt die Kommunikation auf die Gesundheit von Mitarbeitern ein?

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man wie gesagt, dass die soziale Unterstützung durch den Vorgesetzten wie ein Puffer wirkt. Unterstützt die Führungskraft den Mitarbeiter durch Interesse, Aufmerksamkeit, Feedback – also durch Kommunikation – so ist der Mitarbeiter belastbarer und widerstandsfähiger im Hinblick auf bestehende Stressbelastungen. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Gesundheit des Mitarbeiters aus.

An dieser Stelle möchte ich beispielhaft eine Studie der ETH Zürich zitieren: Im Rahmen der Studie wurden 2.500 Arbeitnehmer befragt. Diese hatten signifikant weniger Fehlzeiten und eine höhere Arbeitszufriedenheit, wenn die Vorgesetzten folgendes Kommunikations-Verhalten zeigten: Loben, Zeit haben, Fehler zugeben, Zuhören.

Es kommt also nicht nur darauf an, dass man kommuniziert, sondern auch auf die Art und Weise, wie man kommuniziert.

 

Gesunde Führung braucht Feedback und Kritik. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie, um „gesund“ zu loben und zu kritisieren?

In meinen Seminaren empfehle ich Führungskräften gerne die WWW-Formulierung: Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch. Ich formuliere also, was ich konkret wahrgenommen habe, zum Beispiel:

„Gestern haben Sie mir veraltete Daten in meine Präsentation eingebaut.“

Dadurch wird Kritik nachvollziehbar und nicht nur das. Kritik wird dadurch auch annehmbar, denn der Mitarbeiter wird nicht als Mensch kritisiert, sondern nur sein Verhalten.

Im nächsten Schritt beschreibe ich die Wirkung, die das Verhalten auf mich hatte, zum Beispiel:

„Durch die veralteten Daten war mein Vortrag nicht aktuell. Das war mir sehr unangenehm. Ich habe mich sehr geärgert.“

Sie sehen, man kann auch mit dieser Art des Feedbacks deutlich kritisieren. Angemessene Kritik sollte dann mit einem konkreten Wunsch abschließen:

„Ich wünsche mir, dass Sie zukünftig aktuelle Daten gewissenhaft recherchieren, um mir diese in meine Vortragsunterlagen einzubauen. Ist das für Sie machbar?“

Dadurch bekommt der Mitarbeiter eine konkrete Anweisung, die auch kontrolliert und nachgefasst werden kann.

Können Sie aus Ihrem Buch drei Tipps für eine gesunde Kommunikation empfehlen?

 

Glücksgefühl steigern

Wenn wir den jährlichen Glücksreport der Vereinten Nationen ansehen, dann sehen wir Dänemark regelmäßig an der Spitze. Für die Dänen ist Glück das Wohlgefühl, welches Menschen sich untereinander geben. Sie nennen es Hygge und meinen damit, mit Freunden zu essen, zu reden, gemeinsam gelassen sein.

Was wir von den Dänen lernen können:

Umgeben Sie sich mit den Menschen, die Ihnen guttun. Treffen Sie Ihre Freunde, unternehmen Sie etwas mit Ihrer Familie, gehen Sie in (Ver-)Bindung, kommunizieren Sie viel, tauschen Sie sich aus. Steigern Sie dadurch Ihren Oxytocin-Spiegel – Oxytocin ist unser Bindungshormon – im Blut und Sie sind nicht nur glücklicher, sondern auch widerstandsfähiger gegenüber Stress und Belastung.

 

Vertrauensvolle Atmosphäre schaffen

Schwierigkeiten in der Kommunikation entstehen häufig durch eine Unstimmigkeit von verbaler und nonverbaler Ebene. Der Inhalt des Gesagten stimmt nicht mit der nonverbalen Kommunikation wie Mimik, Gestik und Körpersprache überein. Wenn Sie als Führungskraft überzeugen wollen, bleibt Ihre Körpersprache entscheidend.

Deshalb ist mein Rat, um Stress in Gesprächen zu vermeiden:

Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre durch Blickkontakt, Lächeln und eine offene zugewandte Körperhaltung. Das Schlüsselbein ist auf Ihr Gegenüber gerichtet. Damit schaffen Sie eine gute Basis für vertrauensvolle Kommunikation.

 

Selbstreflexion nicht vernachlässigen

Gesunde Kommunikation beginnt bei einem selbst. So gibt es für jeden Menschen ungünstige Glaubenssätze, die sich stets von neuem in eine Konfliktsituation drängen. Je nach Persönlichkeitstyp wird ein Mensch zum Beispiel auf Druck durch den Vorgesetzten mit einem Kick oder einer Resignation reagieren. Er wird Hitze, Lärm, Unruhe anders bewerten als ein Kollege, wenn die Stressmarker unterschiedlich sind.

Fragen Sie sich deshalb immer selbst:

„Welche Gesprächssituationen erzeugen in mir ein Stressgefühl?“ und „Wann entsteht ein Konflikt und welche Gefühle gehen diesem Konflikt voraus?“. Nur über eine vernünftige Selbstreflexion lassen sich Kommunikationsprobleme und Konflikte nachhaltig reduzieren oder vermeiden.

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