ESG-Kriterien: Zwischen Nachhaltigkeit und Greenwashing

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27. June 2022
Management & Strategie
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Die ESG-Kriterien und aktuelle Krisen wie Klimawandel, Diesel-Skandal und Pandemie haben ein Umdenken im Investment-Sektor bewirkt. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ESG-Kriterien zu berücksichtigen und abzuwägen. Da das Thema Nachhaltigkeit immer weiter in den Vordergrund rückt, werden nachhaltige Investments nach den ESG-Kriterien immer beliebter.

Dabei besteht die Herausforderung vor allem darin, Nachhaltigkeit und Ökonomie in Einklang zu bringen und ESG-Risiken abzuwägen. Wir klären Sie über Risiken auf und geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihre nachhaltige Investmentstrategie für sich finden.

Die drei Säulen der ESG-Kriterien

Doch wofür steht ESG und was sind ESG-Kriterien? ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung).

Das Kriterium „Umwelt“ umfasst vor allem Themen wie Klima, Ressourcenknappheit, Öko-Effizienz und sorgsamer Wasserhaushalt.

Beim Kriterium „Soziales“ geht es vor allem um gute Bedingungen und faire Bezahlung von Arbeitnehmern, Gesundheit und Sicherheit und die Achtung der Menschenwürde.

Das letzte Kriterium „Unternehmensführung“ umfasst gezielte Maßnahmen gegen Korruption, Risiko- und Reputationsmanagement, sowie Vielfalt und Chancengleichheit.

Kurz gesagt geht es bei Investments nach ESG-Kriterien also um ethische Investments, das heißt Geldanlagen, die nicht nur wirtschaftliche Sicherheit bieten, sondern sich auch ethisch mit den Wertvorstellungen des Anlegers decken. So werden nicht nur die Anlageziele (Rentabilität, Sicherheit und Liquidität) des magischen Dreiecks verfolgt – es kommt noch eine vierte Ebene hinzu, nämlich der Aspekt Nachhaltigkeit, was das magische Dreieck zu einem Viereck macht. Dabei definiert sich Nachhaltigkeit nach den 17 Entwicklungszielen der UN, den sogenannten Sustainable Development Goals (SDG). Branchen und Wirtschaftsbereiche, die nicht zu einer nachhaltigen Lebensführung passen, werden beim ethischen Investment komplett ausgeschlossen. Das sind zum Beispiel Firmen, die an der Produktion oder dem Verkauf von Alkohol, Tabak, Waffen, Atomkraft, Kohleverbrennung, Gentechnik, Glücksspiel oder Pornographie beteiligt sind.

ESG-Kriterien und die Bedeutung für Unternehmen

Börsennotierte Unternehmen in Europa sind seit 2017 verpflichtet, regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte anzufertigen. Diese werden von Rating-Agenturen überprüft, welche die Informationen der Firmen zusammentragen und Berichte erstellen. Anhand des ESG-Scores werden diese Firmen dann bewertet. Dabei gilt: Je höher der Score, desto nachhaltiger das Unternehmen. Firmen, die Nachhaltigkeitsstandards einhalten und dies in einem Nachhaltigkeitsbericht offenlegen, können im Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) eingesehen werden.

Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das beispielsweise, dass eine große Anzahl an Gebäuden bis 2030 optimiert und bis 2050 CO2-neutral ausgerichtet werden.

Auch die Finanzinstitute müssen sich neu umstellen und bei der Kreditvergabe auf die ESG-Faktoren achten. Die EZB entwickelte am 27. November 2020 einen Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken für Banken, nach dem klare Entscheidungskriterien und Kontrollmechanismen definiert werden.

Fakt ist, dass die Firmen handeln müssen, und zwar am besten sofort. Auf lange Sicht müssen sich die Unternehmen anpassen und die ESG-Kriterien für Ihr Geschäft berücksichtigen, um überleben zu können.

ESG-Risiken und Greenwashing

Der Begriff „Ethisches Investment“ ist rechtlich leider nicht geschützt. Das macht es schwer, in tatsächlich ethische Fonds zu investieren. Unternehmen geben sich als nachhaltig aus, sind aber nur am Gewinn interessiert. Solche „Greenwashing“-Fälle sind keine Seltenheit und werden anhand des Falls DWS noch einmal deutlicher. Da es keine Mindeststandards bei den Nachhaltigkeitsanforderungen gibt, werden Nachhaltigkeitsstandards unterschiedlich interpretiert. Zudem ist es schwierig, alle ESG-Kriterien tatsächlich auch einzuhalten, denn das kommt immer auf das Nachhaltigkeitsverständnis des Finanzanbieters oder Produktes an. Wenn ein Unternehmen zwar faire Arbeitsbedingungen hat, allerdings umweltschädlich produziert, stehen die Ziele im Konflikt. Daher sollte auch immer darauf geachtet werden, ob die eigenen Vorstellungen zum Produkt passen.

Die Bewertungen der Rating-Agenturen können deshalb sehr unterschiedlich ausfallen, da mit unterschiedlichen Quellen gearbeitet wird. Manche Agenturen verwenden öffentlich zugängliche Daten, wiederum andere verschaffen sich Informationen von NGOs, Medien und Interviews. Bei der Auswertung fehlt eine einheitliche Vorgehensweise. Durch die Taxonomie-Verordnung könnte dies zukünftig besser werden, da ein Klassifizierungssystem entwickelt werden soll, das ein einheitliches Verständnis der Nachhaltigkeit von wirtschaftlichen Tätigkeiten in der EU ermöglicht.

Fazit

Produkte und Firmen, die sich mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ schmücken, sollten immer mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden. Denn oft wird mehr versprochen als letztendlich gehalten werden kann. Auch auf bestimmte Siegel und Labels können Sie sich nicht immer verlassen, da diese theoretisch von jedem eingekauft werden können. Beim nachhaltigen Anlegen gibt es also immer ESG-Risiken, weshalb viel Recherchearbeit gefragt ist, die sich am Ende aber lohnen wird. Hilfreiche Informationsquellen wie der Fair Finance Guide oder die Datenbank Faire Fonds bieten eine gute Grundlage, um die richtige Entscheidung zu treffen.

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ESG-Kriterien & ESG-Risiken

Die ESG-Kriterien und aktuelle Krisen haben ein Umdenken im Investment-Sektor bewirkt. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ESG-Kriterien zu berücksichtigen und abzuwägen. Dabei besteht die Herausforderung vor allem darin, Nachhaltigkeit und Ökonomie in Einklang zu bringen und ESG-Risiken abzuwägen.

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