Urbane Mobilitätskonzepte am Beispiel des Innovationsquartiers Schmiede227 in München

11. March 2021
Immobilien & Bau
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Der neue Standort im Münchner Norden hört auf den Namen „Schmiede227 – Das Innovationsquartier am Frankfurter Ring“. Dieser Name nimmt bewusst die bisherige industrielle Nutzung des Areals als Präzisionsschmiede auf und führt den Standort in die Zukunft. Innovation findet täglich im Kopf statt – ein Büro- und Gewerbe-Standort muss dafür optimale Bedingungen bereitstellen, nicht zuletzt auch in Hinblick auf Mobilität und Erschließung. Wir haben mit Hans Hammer über urbane Mobilitätskonzepte gesprochen.

Der Frankfurter Ring braucht kluge Mobilitätskonzepte

Herr Hammer, können Sie uns bitte kurz erklären, was Sie am Frankfurter Ring 227 vorhaben?

Der Frankfurter Ring mit der Kreuzung der A9 ist das Entrée in die Stadt von Norden, eine bedeutende Verkehrsachse innerhalb der Stadt, Heimat für Gewerbe, Bürogebäude und natürlich der Dreh- und Angelpunkt von BMW, sowie vermehrt Technologieunternehmen, die diesen Teil der Stadt für sich entdecken.

Genau deshalb gehört die Achse städtebaulich gesehen zu den interessantesten Standorten Münchens. Weil hier die Entwicklung Schritt für Schritt in die Zukunft führt, die Voraussetzungen für neue Arbeitswelten und die neue Interpretation von Stadt geschaffen werden können. Der Frankfurter Ring erfordert gerade auch im Bereich der Mobilität kluge Lösungen für morgen und übermorgen, um den Flächenbedarf von Unternehmen der zukunftsträchtigen Branchen bedienen zu können.

Auch wir von der Hammer AG arbeiten an diesen Lösungen. Uns liegt der Frankfurter Ring seit 1993 am Herzen. Nach vielen anderen Projekten haben wir zuletzt 2018 das Grundstück Frankfurter Ring 227 erworben und haben dort Nachhaltiges und Zukunftsfähiges vor: Eine Projektentwicklung für ein Büro- und Gewerbequartier auf einem bisher industriell geprägten Areal entsprechend den Maßgaben einer modernen Quartiers- und Verkehrsplanung. Entstehen sollen hier insgesamt bis zu 170.000 Quadratmeter, die sich aus Büroflächen mit hoher Flexibilität, Gewerbe-Flächen für Unternehmen der Technologie-, Forschungs-, Medien- und Medizinbranche, einem Hotel im 2- bis 3-Sterne-Segment, einem Longstay-Haus sowie Einzelhandel und Gastronomie für die Quartiersversorgung zusammensetzen.

Maßnahmen sollen Verkehrsreduktion erreichen

Wie wird mit dem voraussichtlich erhöhten Mobilitätsbedarf umgegangen?

Als Entwickler des Projekts Schmiede227 und Bestandshalter weiterer Projekte im Münchner Norden unterstützen wir den Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur, wie den S-Bahn-Nordring, das Trambahnnetz und Ergänzungen wie zum Beispiel eine Seilbahn oder eine Magnetschwebebahn. Es gibt bereits ein positives Verkehrsgutachten für unser Projektvorhaben, das innovative Ideen beinhaltet. Darüber hinaus wird ein Mobilitätskonzept für das Grundstück erarbeitet, in dem umfangreiche Maßnahmen festgehalten werden, um in Verbindung mit der Projektrealisierung sowohl eine sehr gute Erschließung des Grundstücks sicherzustellen als auch den Verkehr der Umgebung nicht zu überlasten. Diese Daten und Maßnahmen werden dann in unserem Konzept die Basis der weiteren Planungen bilden.

Konkret: Die Beschäftigtenströme zur und von der Schmiede227 sollen intelligent und nachhaltig geleitet werden können. Unser wichtigstes Ziel ist es, Anreize zu schaffen, damit möglichst viele Nutzer aufs Auto verzichten. Im Rahmen unseres Mobilitätskonzeptes planen wir unter anderem folgende Maßnahmen:

Carpooling

Mobilitätsstationen, an denen E-Bikes und E-Scooter gemietet werden können

Informationssysteme zur optimalen individuellen Beförderungsstrategie, sowohl im Hinblick auf Reisezeit und Komfort aber auch auf die Umweltbelastung

Incentives: Anreize für Berufstätige und Besucher des Geländes, um den „grünen Verkehr“ zu fördern, beispielsweise durch Sharing-Angebote oder die Nutzung des ÖPNV

Autonome Busverbindung zu einem P+R Parkplatz

Duschen und Umkleiden auf dem Gelände für Pendler, die mit dem Rad oder E-Bike kommen

Um unseren Beitrag zu einem angemessenen Verkehrsaufkommen am Frankfurter Ring zu leisten, setzen wir also bei den Menschen an, die auf unserem Grundstück arbeiten, beherbergt werden und dort einkaufen werden – ihnen erleichtern wir mit all diesen Maßnahmen den Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel. So soll der motorisierte Individualverkehr in der Schmiede227 richtig gute Konkurrenz bekommen. Wir planen mit unserem Konzept zu zeigen: Schmiede227 macht’s möglich - mobil sein, auch und gerade ohne Auto.

Durch das Bereitstellen von attraktiven Anschlüssen an den ÖPNV erwarten wir, dass ein großer Anteil der Nutzer des Quartiers mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommt. Es wird die verbesserte Erschließung der nahegelegenen U-Bahnstation Studentenstadt über einen Fuß- und Radweg über die A9 vorangetrieben, die Tram 23 wird Richtung Norden verlängert und es gibt einen aktiven Austausch zur Anbindung an den DB Nordring. Eine S-Bahn Haltestelle im Bereich des FIZ Future von BMW ist bereits geplant und soll 2026 kommen, auch werden bereits Planungsvorbereitungen zur Verlängerung in die direkte Umgebung des Projektgrundstücks auf der Höhe Euro-Industriepark getroffen.

Quelle: Beispielplanungen Zinner Ingenieure und Architekten

Frankfurter Ring soll zukünftig eine optimale ÖPNV Erschließung erhalten

Sie sprechen davon, dass Innovation täglich im Kopf stattfindet und auch gelebt werden muss. Wird wirklich eine Magnetschwebebahn gebaut?

Das System „tsb“ von Max Bögl ist bereits weit entwickelt und bietet eine große Chance, zukunftsweisend neue innerstädtische Gebiete zu erschließen. Es setzt weniger auf Geschwindigkeit, verbindet dafür aber nachhaltige Antriebsmöglichkeiten mit einer geringstmöglichen Belastung an Lärm und Schadstoffen. Der notwendige Streckenkorridor ist, verglichen mit herkömmlichen Schienenfahrzeugen, platzsparend, die Beförderung erfolgt führerlos und kann außerhalb der Spitzenstunden auf Abruf erfolgen. Der konkret von uns dafür ins Auge gefasste Abschnitt von der U-Bahn Haltstelle Studentenstadt bis zum Areal der Schmiede227 und darüber hinaus könnte sich nach einer ersten Überprüfung genau für dieses System eignen – möglicherweise als Testlauf für eine spätere großräumigere Nutzung mit kurzen Haltepunkt-Abständen parallel zum DB Nordring. Die langfristige Vision könnte eine Verbindung der U-Bahn Stationen Oberwiesenfeld mit der U-Bahn Station Frankfurter Ring und S-Bahn Station Knorrstraße, der S- und Trambahn Station Euro-Industriepark und der U-Bahn Station Studentenstadt sein – und somit einen wichtigen Beitrag für eine optimale ÖPNV Erschließung des gesamten Zukunftsraumes Frankfurter Ring darstellen.

Mobilitätskonzepte müssen sich als Standard etablieren

Wieso ist es Ihnen so wichtig, dass es ein standardisiertes Verfahren für Mobilitätskonzepte auch im gewerblichen Bereich geben soll und nicht nur wie bisher für Vorhaben aus dem Wohnbereich?

Um eben solche visionären Großprojekte anzustoßen ist es erforderlich die Dringlichkeit und Effektivität der Maßnahmen in Verbindung mit der Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts München zu erkennen und es sollten beschleunigte Verfahren bei priorisierten Projekten durchlaufen werden. Wir müssen unterscheiden zwischen den Bewertungsverfahren für die Finanzierung und Förderfähigkeit von öffentlichen Verkehrsprojekten, die dringend reformiert gehört, und zwischen privaten Maßnahmen und deren Auswirkungen auf den lokalen Verkehr. Um den Vorhabensträgern das Bauen zu ermöglichen – auch wenn groß angelegte Infrastrukturmaßnahmen wie der S-Bahn-Ausbau, die nicht im Ermessen des Vorhabensträgers liegen – noch nicht umgesetzt wurden, sollten auch im Gewerbebau in verkehrlich kritischen Lagen Mobilitätskonzepte als Standard etabliert werden. Dafür brauchen sowohl die Verwaltung als auch die Bauwerber belastbare Verfahren, um die Auswirkungen von individuellen Maßnahmen zu bewerten und damit die Projekte richtig zu planen.

Ich lade Sie herzlich zum diesjährigen Immobilienforum München 2021 ein, in dessen Rahmen ich einen Vortrag halten werde und meine Ideen zur Implementierung eines solchen Verfahrens für Mobilitätskonzepte bei gewerblichen Bauvorhaben erläutern möchte.

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