Warum positive Stimmung zu guter Leistung führt – Interview mit Dr. Helmut Fuchs

08. January 2018
Soft Skills
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Ob Ärger, Angst, Frustration oder Schuldgefühle – negative Emotionen bestimmen unser Leben, und damit auch unseren Berufsalltag. Dr. Helmut Fuchs ist Bestsellerautor und Launologe. Der Experte beschäftigt sich intensiv mit der Stimmungsforschung und hat uns im Interview verraten, warum das emotionale Kapital heute eine so wichtige Rolle spielt, warum viele Unternehmen das (noch) nicht erkennen und was es für Auswirkungen haben kann, wenn keine positive Stimmung verbreitet wird.

Positive Stimmung ist ein Erfolgsfaktor

Herr Dr. Fuchs, Sie betonen in Ihrem Seminar „Keep cool – Die Emotionen im Griff“, dass Führungskräfte unbedingt das emotionale Kapital ihrer Mitarbeiter entdecken müssen. Was hat es damit auf sich und warum ist das so wichtig?

Das emotionale Kapital umfasst Ressourcen, mit denen wir Menschen Emotionen hervorrufen oder beeinflussen können. Dadurch gelingt es uns, bestimmte Handlungen zu unterstützen oder Ziele zu erreichen. Das emotionale Kapital ist also gerade für eine Führungskraft von essenziellem Wert, um die Mitarbeiter von den gesetzten Zielen zu begeistern.

Die Begeisterung für die Arbeit führt zu guter Stimmung und diese ist wiederum eine Grundvoraussetzung für gute Leistung. Leider ist aber gerade die positive Stimmung in vielen Unternehmen heutzutage nicht gegeben.

In einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Schweizer Instituts „sciencetransfer“ zum Thema Burnout kam im Gegenteil heraus, dass sich zwei von drei Managern ausgebrannt fühlen, sich kaum regenerieren können und zu wenig Zeit für Familie und Freunde haben.

Keine gute Voraussetzung für positive Stimmung, und damit auch nicht für gute Leistung!

Emotionales Kapital beeinflusst den wirtschaftlichen Erfolg

Laufen Führungskräfte denn Gefahr, ihre Mitarbeiter aufgrund schlechter Stimmung zu verlieren?

Für die meisten Manager ist dieser Zustand überraschenderweise kein Grund für einen Jobwechsel. Lediglich sieben Prozent der Befragten würden ihr berufliches Umfeld deshalb verlassen.

Daher ist es aber umso schlimmer, dass Unternehmen nicht sehen, dass sie mit dem Faktor Stimmung so viel erreichen können. Denn die meisten Mitarbeiter wollen gar nicht gehen und bleiben gern im Unternehmen. Wenn die Folge jedoch ein Burnout ist, haben Unternehmen nichts gewonnen, im Gegenteil sie zahlen dafür einen hohen Preis.

Das ist aber letztlich auch der Beweis dafür, dass das emotionale Kapital den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens nicht unerheblich beeinflussen kann. Das Wissen und die Wertschätzung darüber fehlen aber leider an den entsprechenden Stellen, sodass an ein wirkungsvoll integriertes Stimmungsmanagement meist gar nicht erst gedacht wird.

Innovative Lernformen sind gefragt

Woran hapert es, dass die Wichtigkeit des Stimmungsmanagements noch nicht verbreitet wird?

Leider sind innovative Lernformen in vielen Unternehmen noch ein Fremdwort. Meist wird nach dem traditionellen, aber für moderne Unternehmensstrukturen völlig veralteten Lehrer-Schüler-Modell der sogenannten Erzeugungsdidaktik gearbeitet und gelehrt. Und die angebliche Wissensvermittlung steht dabei eben im Vordergrund und der Paradigmenwechsel zur Ermöglichungsdidaktik ist unbekannt oder nicht vollzogen. Neurowissenschaftlich gestützt wissen wir heute, dass der Mensch lernfähig, aber unbelehrbar ist und Wissen letztlich nicht erzeugt werden kann. Wir können als „Lehrende“ wie auch als Führungskräfte letztlich nur einladen, ermutigen und inspirieren.

Nur wenige Firmen gehen wirklich mit gutem Beispiel voran und setzen moderne, kooperativ angelegte Lernformen ein. Das Wissen von Einzelpersonen wird dadurch meist nicht weitergegeben, sondern bleibt in den jeweiligen Köpfen, worauf andere Mitarbeiter aber eben nicht zugreifen können.

Und jetzt stellen Sie sich die Frage nach der Stimmung bei dieser Art des Lernens: Sicherlich nicht besonders gut. Gerade die Erkenntnisse von Rizolatti (1999) zur Theorie der Spiegelneuronen und auch die modernen Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen aber, dass gerade Humor beim effizienten Lernen eine ganz wesentliche Rolle spielt.

Die positive Stimmung muss gefördert werden

Aus diesem Grund betreiben Sie das WIFAL-INSTITUT in Berlin (das Wissenschaftliche Institut für angewandte Launologie). Was steckt dahinter?

Die Launologie beschäftigt sich mit der Untersuchung von individuellen, organisationalen aber auch institutionellen Stimmungen und deren Wirkungszusammenhängen. Das bedeutet zum Beispiel die Betrachtung der Stimmungsauswirkung auf die Anstrengungsbereitschaft oder das soziale Handeln, auf Gedächtnisleistungen oder Urteilsbildungen, auf Beschwerden oder die Problemlösungsfähigkeit.

Und dass es uns mit der Stimmungsforschung ernst ist, zeigt unser Launeus-Award, der seit 10 Jahren Personen auszeichnet, die sich besonders für die Verbreitung der positiven Stimmung einsetzen. Im Jahr 2007 war beispielsweise Dr. Eckhard von Hirschhausen der erste Preisträger. Später folgten unter anderem Prof. Dr. Willibald Ruch, Europas führender Humorforscher, Werner „TIKI“ Küstenmacher, Sabine Asgodom und viele andere.

Positive Psychologie führt zu guter Laune

Humor und gute Laune sind also wichtig. Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff der positiven Psychologie, den Sie auch in Ihrem Seminar thematisieren?

Ihren Ursprung findet die positive Psychologie bei Professor Martin Seligmann, den damaligen Präsidenten der international bedeutenden American Psychological Association. Die positive Psychologie beschäftigt sich mit den psychologischen Fragen, die das Leben lebenswerter machen. Das beinhaltet die Stärken und Ressourcen von uns Menschen, das Miteinander und unsere Potenzial-Entwicklung, wie es im Personalmanagement immer so schön genannt wird.

Wichtig ist, dass die positive Psychologie, wie der Name schon sagt, Abstand nimmt von konflikt- oder defizitorientierten Ansätzen, wie Sie in der Psychologie und Diagnostik sonst zu finden sind. In der Literatur finden Sie deshalb eine fünfstellige Zahl an Artikeln über Depressionen, aber nur wenige hundert über das Thema Freude. Dieses Ungleichgewicht findet seinen Ursprung wiederum in der politischen Vergangenheit.

Emotionales Kapital muss mobilisiert werden

Warum besteht dieses Ungleichgewicht zwischen negativ und positiv?

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Psychologie eben hauptsächlich mit den negativen Aspekten unseres Lebens beschäftigt. Dazu gehören Angst, Depression, Wut, Burnout und vieles mehr. Die positiven Aspekte unseres Daseins kamen dabei leider oftmals zu kurz. Themen wie Lebensfreude, Stärke oder Wachstum gingen einfach unter.

Deshalb ist es wichtig, diese Aspekte zu fördern. Menschliche Stärken, Optimismus und Authentizität müssen berücksichtigt werden. All das trägt zur positiven Stimmung bei und ist das beste Mittel gegen psychische Krankheiten. Und um auf den Anfang des Interviews zurückzukommen: Das ist der Grund, weshalb das emotionale Kapital in Unternehmen mobilisiert werden sollte.

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