Design Thinking und Co.: Diese New Work Trends sind jetzt wichtig

21. February 2020
Personal
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Die Arbeitswelt verändert sich in den letzten Jahren sehr stark. New Work wird immer mehr ein Thema. Das liegt unteranderem daran, dass die jüngere Generation auf andere Dinge Wert legt, als es Arbeitnehmer vor zwei bis drei Jahrzehnten taten. Gemeinsam mit Dr. Simon Springmann gehen wir auf diese Trends der Generationen Y & Z ein und erklären Ihnen, was zu beachten ist und was eigentlich Design Thinking im Sinne von New Work ist. 

New Work Trend 1: Vergütung oder New Pay

Obwohl das bisherige Vergütungssystem immer mehr überholt wird, ist es in den meisten Unternehmen noch normal, dass jeder Mitarbeiter ein individuelles Gehalt bekommt oder die Gehälter von den Abteilungen abhängig sind. Jedoch gibt es inzwischen Firmen, die die Vergütung anders behandeln. Hier zählt Transparenz und Fairness. Einige Betriebe sind dazu übergegangen, ein Gehalt für alle Mitarbeiter festzulegen. Wenn jemand ein höheres Gehalt fordert, muss die Person das neue Gehalt vor allen anderen begründen können. Daraufhin wird dann von allen abgestimmt, ob die Person das höhere Gehalt bekommt. Da mit dieser Methode jeder Mitarbeiter Einfluss auf die Vergütung hat, kann Neid unterbunden werden. Zudem steigert das natürlich extrem die Transparenz innerhalb eines Unternehmens.  

Selbst transparente Gehälter an sich sind schon ein großer Schritt. Denn beim Thema Vergütung tun sich die meisten Unternehmen bisher schwer und halten an alten Systemen fest. Da jedoch der Wunsch nach Transparenz und neuen Gehältern immer größer wird, werden sich alle Arbeitgeber früher oder später mit diesem New Work Trend beschäftigen müssen. Denn jüngere Menschen machen sich viele Gedanken und hinterfragen alles. Das Interesse ist größer am Gehalt des anderen als bei den älteren Generationen. Es wird offen kommuniziert. Und das sollte auch bei der Vergütung im Unternehmen der Fall sein. 

Auch der Gesetzgeber hat sich bereits Gedanken gemacht über die Transparenz bei Gehältern. Jedoch sind diese Regelungen sehr umfangreich und individuell zu beurteilen.  

Geld spielt aber heutzutage nicht mehr die einzige Rolle. Natürlich ist das Gehalt immer wichtig und auch ein Faktor für die Jobwahl. Jedoch legen junge Menschen inzwischen fast genauso großen Wert auf andere Arten von Vergütung. Als Beispiele sind hier kostenlose Parkplätze am Arbeitsplatz, kostenlose Dienstfahrräder für Mitarbeiter die in der Nähe wohnen, oder Gutscheine zu bestimmten Anlässen zu nennen. Denn auch wenn das Gehalt vielleicht nicht so hoch wie gewünscht ist, können diese Faktoren sich positiv auf die Wahl des Arbeitsplatzes auswirken. Jedes Entgegenkommen, jeder noch so kleine Zusatz zum eigentlichen Gehalt, fördert die gute Laune bei den Mitarbeitern und dadurch auch die Motivation und die Produktivität. 

New Work Trend 2: Flexible Arbeitszeiten

Ein weiterer wichtiger Punkt, den inzwischen viele Arbeitgeber bereits anbieten, ist die flexible Arbeitszeit. Der normale „9 to 5“-Job ist nicht mehr in jedem Unternehmen zu finden. Die Mitarbeiter wollen Ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen. Dies ist aber nicht nur ein New Work Trend, sondern wird schon seit langem versucht umzusetzen. Besonders Arbeitnehmer mit kleinen Kindern profitieren davon. So kann die Arbeitszeit beispielsweise mit der Kinderbetreuung in Einklang gebracht werden. Aber auch kinderlosen Arbeitnehmern kommt dies zu Gute. Denn manche sind früh morgens produktiver, andere eher am späten Nachmittag oder sogar erst abends. Jeder Mitarbeiter kann die Arbeitszeit auf die Uhrzeiten anpassen, an denen die Produktivität am höchsten ist. Auch das ist ein Punkt, der die Motivation steigen lässt. Somit profitieren Arbeitnehmer und -geber davon.  

New Work Trend 3: Vier-Tage-Woche

Bei einem Arbeitstag von mindestens acht Stunden und das fünf mal die Woche kann schnell mal die Konzentration verschwinden. Toyota führte deshalb testweise den 6-Stunden-Tag ein. Und das mit Erfolg. Der Umsatz des Werkes stieg sogar. Bei einer 40-Stunden-Woche sind wir vielleicht körperlich durchgehend anwesend. Aber unsere Konzentration lässt nach einiger Zeit nach. Wenn die Arbeitswoche kürzer ist, werden auch viele unnötige Kaffeepausen oder Gespräche nicht mehr geführt. Jeder weiß, dass weniger Zeit vorhanden ist und versucht diese Zeit zu nutzen. Viele Unternehmen haben inzwischen auf eine Kürzung der Arbeitszeit gesetzt, überwiegend mit Erfolg. Das wir von Montag bis Freitag arbeiten, zählt auch zu einem veralteten Arbeitssystem. Wer also möchte, dass seine Mitarbeiter durchgehend hochkonzentriert arbeiten, sollte sich die Option von nur vier Arbeitstagen in der Woche durch den Kopf gehen lassen oder die täglichen Arbeitsstunden überdenken. Zudem sollte man bedenken, wenn junge Leute frisch in ein Unternehmen steigen und vorher nie Vollzeit gearbeitet haben, können 40 Stunden in der Woche abschrecken. Mit einer kürzeren aber dafür produktiveren Arbeitszeit, lassen diese sich viel eher begeistern.  

New Work Trend 4: Home-Office/Remote Work

Neben den Arbeitszeiten, spielt auch der Arbeitsort eine große Rolle. Durch die Digitalisierung ist es nicht mehr notwendig, dass alle Mitarbeiter gemeinsam an einem Ort sitzen. Da Flexibilität ein großer Punkt ist im Rahmen von New Work, sind  Home-Office und Remote Work ein wichtiger New Work Trend. 

Wer die Möglichkeit hat von daheim aus zu arbeiten, bekommt inzwischen in einigen Unternehmen die Chance dazu. Viele Menschen, die sich auf Arbeitsplätze bewerben, achten sehr darauf ob Home-Office möglich ist. Denn diese Arbeitsweise bringt viele Vorteile mit sich: Erstens ist es umweltfreundlicher, als sich jeden Tag mit dem Auto durch den Verkehr zu kämpfen. Zusätzlich profitieren auch hier Eltern, denn Kinder und Arbeit können besser miteinander verbunden werden. Dadurch, dass es keine Ablenkungen durch Kollegen oder andere Personen gibt, können sich viele daheim besser konzentrieren. Jeder sollte für sich entscheiden können, wo die Produktivität am höchsten ist. Das ist auch das Prinzip bei Remote Work. Hier geht es darum, dass jeder arbeiten kann wo er sich gerade befindet. Ob im Café, von daheim aus oder während einer Zugfahrt. Sofern es einen Online-Anschluss gibt, ist Remote Work für viele eine attraktive Option. 

New Work Trend 5: Coach anstatt Chef

Stellen Sie sich vor, sie bekommen nicht mehr jeden Arbeitsschritt vorgegeben, sondern haben große Handlungsfreiheit und können selbst entscheiden, in welche Richtung sich ein Projekt entwickelt, an dem Sie arbeiten. Zudem gibt es in Ihrem Unternehmen keine richtigen Führungskräfte, sondern diese fungieren eher als Coach und Unterstützung. Unvorstellbar? In manchen Unternehmen wurde das bereits umgesetzt. Die Mitarbeiter haben eine viel größere Entscheidungsfreiheit und tragen mehr Verantwortung. Dadurch gelingt es, sich mehr auf die Projekte zu fokussieren und jeder versucht das Beste rauszuholen. Durch dieses Konzept wird die Kreativität der Mitarbeiter gefördert und genutzt. Wenn immer alle Entscheidungen von den gleichen Personen an der Spitze abhängen, fehlen irgendwann neue Ideen. Wenn jedoch alle gemeinsam brainstormen und gemeinsam die Projekte leiten, kann auch jeder Ideen einbringen. So können ganz neue Ansätze entstehen, die vorher nicht möglich gewesen wären. Generell wünschen sich viele jüngere Leute mehr Partizipation und Entscheidungsfreiheit. Sie wollen nicht nach zwölf Jahren Schule oder einer Ausbildung in ein Unternehmen einsteigen, um dann nur Befehlen zu gehorchen. Sie wollen kreativ sein, Ideen einbringen können und mitentscheiden. Mit diesem Konzept kann das geboten werden.  

New Work Trend 6: Besseres Arbeitsklima

Ein sehr wichtiger Aspekt, vielleicht einer der wichtigsten Trends, ist das Arbeitsklima. Darunter fallen verschiedene Punkte. Angefangen mit dem Umgang unterhalb der Mitarbeiter. Wenn alle höflich und freundlich miteinander umgehen, zwischendrin auch mal kurze private Gespräche geführt werden können, kommt jeder lieber morgens zur Arbeit. Niemand mag schlechte Stimmung im Büro. Hinzu kommt die Büroeinrichtung. In vielen Unternehmen richten die Mitarbeiter gemeinsam mit dem Führungspersonal das Büro ein. Jeder sollte sich wohl fühlen und seinen Arbeitsplatz selbst gestalten können, dann ist auch die Motivation größer. Viel Licht, große Fenster und vor allem Pflanzen geben dem Büro einen wohnlicheren Charakter und steigern die Laune innerhalb des Teams. Vor allem wenn neue Mitarbeiter dazukommen, fühlen sie sich direkt willkommen. Damit sich die Kollegen besser kennenlernen und besser verstehen, sollten im Rahmen von New Work Unternehmungen abseits der Arbeitszeit stattfinden. After Work-Aktivitäten stärken den Zusammenhalt im Team. Gehen Sie doch also einfach mal nach dem Feierabend mit Ihrem Team etwas essen, in eine Bar, Minigolf spielen oder ähnliches. Das kann einiges bewirken.  

Dr. Simon Springmann über Design Thinking und Co.

Hinter dem Begriff New Work steckt für viele Personalverantwortliche ein schlecht greifbarer Begriff, ebenso wie hinter einigen der Tools und Methoden, die mit Arbeiten 4.0 einhergehen. Unser Experte Dr. Simon Springmann bringt für Sie Licht ins Dunkel und erklärt insbesondere, was Design Thinking ist und welche Vorteile sich bei richtigem Verständnis daraus ergeben. 

New Work: Diese Trends erwarten uns

Was sind für Sie die Trends der Arbeitswelt 4.0? Wie werden wir Ihrer Meinung nach künftig arbeiten? 

Unsere Arbeitswelt wird in der Zukunft maßgeblich durch die fortschreitende Digitalisierung geprägt. Dies hat Konsequenzen für Mitarbeiter,Mitarbeiterinnen und Organisationen. Zunächst zu den Mitarbeiter*innen: 

  1. Sämtliche repetitive Tätigkeiten, egal ob manuell oder kognitiv, werden radikal auf den Prüfstand gestellt werden, und, falls betriebswirtschaftlich vorteilhaft, über kurz oder lang an Maschinen und Roboter abgegeben. Es werden sich neue Formen des Coworking zwischen Menschen und „Cobots“ ergeben. 
     
  2. Die Anforderungen an die tätigen Menschen werden sich verschieben hin zu Kreativität und Innovation, Umgang mit Komplexität und (Selbst-) Management. 
     
  3. Gleichzeitig steigt aufgrund der Demografie die Marktmacht der „best talents“, die diese Anforderungen leisten können. „Best talents“ können sich Arbeitgeber beziehungsweise Projekte immer wieder neu aussuchen und sind allenfalls „episodisch“, also für eine bestimmte Zeit und Phase, loyal. Als sinnvoll erachtete Tätigkeiten stehen im Mittelpunkt, ebenso Arbeitsbedingungen (Soft Factors, wie Annehmlichkeiten) und eine ausgewogene Work Balance. Bei den launchlabs haben wir beispielsweise einen persönlichen Fitnesstrainer, eine 32-Stunden-Woche und stimmen uns im Team ab, ob wir bestimmte Projekte als sinnvoll erachten und dementsprechend machen wollen oder nicht. 

Arbeitswelt 4.0: Konsequenzen für Unternehmen

Für Unternehmen wird die Transformation hin zu einer agilen Arbeitskultur eine permanente Aufgabe, vor allem für Organisationen, die von Disruptionswellen betroffen sind. Wir bei launchlabs sehen hier drei konkrete Ansatzpunkte, um von Getriebenen der globalen Disruption zu aktiv Mitspielenden und Gestaltenden zu werden, also sozusagen zu Surfern und Surferinnen, die die Wellen der Disruption reiten können: 

# Training und Weiterbildung als zentrale und permanente Aufgaben für lernende Organisationen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Methoden, Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Prozesswissen, sondern zunehmend um ein agiles Mindset. In einem solchen Mindset stehen Selbstmanagement und Intrapreneurship, der Umgang mit Komplexität sowie Teamarbeit und Kreativität im Mittelpunkt. Für agile Führungskräfte kommt insbesondere noch die Reflexion auf der Metaebene hinzu: „Was bedeutet es, in einem agilen Setup Führungskraft zu sein? Wieviel Kontrolle ist nötig, wieviel Coaching möglich? Wie kann ich mein Team bestmöglich ermächtigen, komplexitätsadäquate Lösungen zu erarbeiten?“ 

# Agile Projekte in Situationen, in denen agile Methoden wie Design Thinking, Lean Start-Up oder Scrum geeigneter sind als herkömmliche Methoden. Dies ist vor allem bei komplexen Problemstellungen aus dem Bereich Strategie und Innovation der Fall, bei denen (im Unterschied zu komplizierten Problemen) nicht nur die Lösung unbekannt ist, sondern auch der Lösungsweg. Dabei kommt es aus unserer Sicht zunehmend auf die intelligente Verschränkung der oben genannten agilen Methoden an. Smarte Interfaces zu bauen und sich nicht in ein „Methodensilo“ zu begeben, macht den Unterschied aus und bedeutet das nächste Level von agiler Projektarbeit. 

# Der dritte Ansatzpunkt ist die Gestaltung einer Arbeitsumgebung, die agiles Arbeiten erleichtert und fördert: Innovationsteams brauchen ein freies Spielfeld und gleichzeitig unterstützende Strukturen, um ihre Ideen zum Fliegen zu bringen. Die Bandbreite der Aktivitäten reicht hier vom Entwickeln von flexiblen Teamarbeitsumgebungen (inklusive Workspace Design und Ausstattung mit agilen Möbeln) bis hin zu Prozesslandschaften und unterstützenden IT-Systemen. Wir arbeiten zum Beispiel mit Trello und Slack, haben aber auch eigene IT-Lösungen im Portfolio wie unsere Flowtomator-APP für die einfache und wirkungsvolle Planung und Vorbereitung agiler Workshops. Weil es auf dem Markt keine geeignete Lösung gab, sind wir mit der Marke „what if we fly“ mittlerweile sogar Möbel- und Whiteboardproduzent geworden. 

Design Thinking als Methodenbaukasten

Können Sie uns kurz mit eigenen Worten erklären, was sich hinter Design Thinking verbirgt? 

Design Thinking versucht im Grunde genommen die Art und Weise, wie Designer und Architekten implizit schon immer gearbeitet haben, explizit zu machen. Das bedeutet, dies in einen (iterativen, nicht-linearen) Prozess zu gießen und somit auch Nicht-Designern zugänglich zu machen. Design Thinking umfasst dabei neben einer ganzen Reihe von Methoden und einen Prozess, der divergente (öffnende) und konvergente (schließende) Elemente beinhaltet. Zusätzlich ist ein bestimmtes Mindset, eine Geisteshaltung, entscheidend. 

Diese Geisteshaltung ist zuallererst durch eine radikale Nutzerzentriertheit geprägt. Es wird grundsätzlich versucht, von dem her zu denken. Erst dann werden die Machbarkeit und finanzielle Tragfähigkeit geprüft. Jetzt werden Sie sagen: „Aber nutzerzentriert waren gute Unternehmer doch schon immer!“ 

Stimmt! Design Thinking propagiert hier also überhaupt nichts Neues, nur scheint es so zu sein, dass die Fokussierung auf Nutzer und Kundinnen durch die Industrialisierung und die Ausbildung großer Konzerne mit vielen internen Funktionen gar nicht mehr so selbstverständlich ist. Viele Mitarbeiter bekommen die Nutzer ihrer Produkte oder Services nie zu Gesicht oder arbeiten in Rollen, die mit dem Service oder Produkt gar nichts mehr zu tun haben. 

Design Thinking erinnert uns daran, dass der einzige Grund, warum es dieses Unternehmen überhaupt gibt, der ist, dass es Kunden und Kundinnen gibt.


Dr. Simon Springmann, launch labs

Weitere Kernprinzipien von Design Thinking sind, agil und in Iterationen vorzugehen und in Experimenten ganz früh im Prozess bereits Prototypen zu erstellen, um schnell (und kosteneffizient) zu lernen. Damit geht eine neue Kultur des Ausprobierens und Experimentierens einher, in der Fehler in frühen Phasen als notwendige Lernschritte interpretiert werden. Dafür ist natürlich viel Vertrauen notwendig, dass mir nicht „der Kopf abgehackt“ wird, wenn ich mich einmal mit einer Idee aus der Deckung wage. 

Dahinter steht die Einsicht, dass Kreativität eine gewisse Sicherheit benötigt, und Spaß und Spiel bei der Arbeit die Innovationspotenziale des Teams erhöhen. Gearbeitet wird darüber hinaus konsequent kollaborativ, in funktionsübergreifenden Teams, um verschiedenste Perspektiven einfließen zu lassen. Auch dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Neuem. 

Design Thinking als Methodenbaukasten

Können Sie uns kurz mit eigenen Worten erklären, was sich hinter Design Thinking verbirgt? 

Design Thinking versucht im Grunde genommen die Art und Weise, wie Designer und Architekten implizit schon immer gearbeitet haben, explizit zu machen. Das bedeutet, dies in einen (iterativen, nicht-linearen) Prozess zu gießen und somit auch Nicht-Designern zugänglich zu machen. Design Thinking umfasst dabei neben einer ganzen Reihe von Methoden und einen Prozess, der divergente (öffnende) und konvergente (schließende) Elemente beinhaltet. Zusätzlich ist ein bestimmtes Mindset, eine Geisteshaltung, entscheidend. 

Diese Geisteshaltung ist zuallererst durch eine radikale Nutzerzentriertheit geprägt. Es wird grundsätzlich versucht, von dem her zu denken. Erst dann werden die Machbarkeit und finanzielle Tragfähigkeit geprüft. Jetzt werden Sie sagen: „Aber nutzerzentriert waren gute Unternehmer doch schon immer!“ 

Stimmt! Design Thinking propagiert hier also überhaupt nichts Neues, nur scheint es so zu sein, dass die Fokussierung auf Nutzer und Kundinnen durch die Industrialisierung und die Ausbildung großer Konzerne mit vielen internen Funktionen gar nicht mehr so selbstverständlich ist. Viele Mitarbeiter bekommen die Nutzer ihrer Produkte oder Services nie zu Gesicht oder arbeiten in Rollen, die mit dem Service oder Produkt gar nichts mehr zu tun haben. 

Design Thinking im agilen Umfeld

Welche Vorteile bietet Design Thinking als agiles Tool? 

Nicht zuletzt durch die iterative Arbeitsweise scheint Design Thinking recht robust zu sein gegen die Komplexität einer sich schnell wandelnden Umgebung mit sich wechselseitig beeinflussenden Parametern. Design Thinking liefert darüber hinaus sehr gute Einsichten, was aus Kundensicht gemacht werden sollte und auch warum. Es werden schnell sehr gute und innovative Lösungsvorschläge im Team erarbeitet, das den Prozess meist als sehr aktivierend, spielerisch und motivierend erlebt. Eine Art von Teambuilding ist häufig ein schöner „Nebeneffekt“ von einem gut moderierten Workshop und einem professionell begleiteten Sprint. Andere agile Methoden, wie zum Beispiel Scrum, haben ihre Stärke eher darin, zu definieren wie die Lösungen genau implementiert werden können. 

Umfassende Trainings sind nötig

Was sind die Grenzen der Methodik und was wird besonders oft falsch gemacht? 

Falsch wurde in der Vergangenheit manchmal gemacht, dass Mitarbeiter nach einem Drei-Tages-Training zu „Design Thinking Experten“ gemacht wurden, inklusive passender Visitenkarte. Das kann nicht funktionieren, weder beim Design Thinking noch in irgendeinem anderen Bereich. Dies hat der Reputation sicher geschadet. Das geht zum Teil so weit, dass einige Kollegen, auch international, den Begriff Design Thinking ganz vermeiden. Daher achten wir insbesondere bei unseren Trainings und Zertifikaten immer sehr genau darauf, dass zwischen der Basisausbildung zum Practitioner und dem fortgeschrittenen Facilitator echte Praxiserfahrung liegt. 

Design Thinking: Mehr als ein kurzer Workshop

Außerdem wird oft gedacht, Design Thinking sei ein Workshop. Dies ist nicht der Fall. Wir arbeiten teilweise an monatelangen Projekten, bei denen genau durchgeplante Workshops nur zu bestimmten Meilensteinen zum Einsatz kommen. Entscheidend ist aus meiner Sicht zu verstehen, wann Design Thinking geeignet ist, also die richtigen Situationen ausfindig machen. Dies sind wie gesagt im Kern komplexe (nicht bloß komplizierte) Situationen. Darüber hinaus ist natürlich relevant, wie die Methode zum Einsatz kommt: Meine Empfehlung ist, Design Thinking nicht isoliert zu denken, sondern integrativ und in Kombination mit anderen agilen Methoden wie Lean Start-up, Scrum und/oder Kanban. 

Zusätzlich hilft es für den Changeprozess zu klären: „Wozu werden für unsere Organisation in ihrem spezifischen Umfeld und mit ihren spezifischen Herausforderungen überhaupt Design Thinking und andere agile Methoden benötigt?“ Die Beantwortung dieser Sinnfrage, auch mit dem Leadership, erleichtert meiner Erfahrung nach die Umsetzung enorm. 

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