Mitspracherecht, ja – aber auf die Art und Weise kommt es an!

26. April 2018
Personal, Soft Skills
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Inwieweit sollten Unternehmen die Mitsprachrecht der Belegschaft, damit diese motiviert und engagiert ist? Professor Dr. Biemann hat uns einige seiner Gedanken, aktuelle Trends und Forschungsergebnisse dazu in diesem Interview mit auf den Weg gegeben, unter anderem auch zu den Veränderungen der Digitalisierung, die Personaler erwarten.

Transformation der Personalarbeit

Herr Professor Biemann, als Experte für Personalmanagement analysieren Sie unter anderem die Trends von morgen: Wie werden wir Ihrer Meinung nach zukünftig arbeiten und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Personaler, Führungskräfte und Mitarbeiter?

Zunehmende Digitalisierung und technologischer Fortschritt werden die Arbeit verändern. Das ist weder neu noch überraschend. HR muss diese Veränderungen begleiten und sich dabei selber an die neue Umwelt anpassen. Besonders spannend finde ich die Frage, wie wir das Zusammenspiel von Mensch und Maschine gestalten können. Ein Algorithmus kann bei der Personalarbeit helfen, schneller und besser die richtigen Kandidaten für einen Job im Unternehmen zu identifizieren. Aber möchte der potentielle Mitarbeiter auch von einem Computer ausgewählt werden? Und inwieweit möchten sich Personaler überhaupt auf diese Veränderungen einlassen?

In der Unternehmenspraxis ist man aber noch weit von einer automatisierten Personalarbeit entfernt und viele Unternehmen sind schon froh, dass sie inzwischen ein HR-Reporting soweit digitalisiert haben, dass sie einfachste Kennzahlen wie die Anzahl der Mitarbeiter oder die Fluktuation ohne größeren Aufwand zeitnah ermitteln können.

Für Unternehmen ist es nicht unbedingt sinnvoll, über die Unternehmensstrategie basisdemokratisch entscheiden zu lassen.


Prof. Dr. T. Biemann, Universität Mannheim

Sie beschäftigen sich auch mit der Frage nach mehr Mitspracherecht im Unternehmen. Wie wirkt sich diese aus und ist diese wirklich zielführend?

In Studien zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen einer Partizipation der Mitarbeiter, also dem Mitspracherecht, und dem Erfolg des Unternehmens, jedoch ist dieser Zusammenhang eher schwach. Für Unternehmen ist es nicht unbedingt sinnvoll, über die Unternehmensstrategie basisdemokratisch entscheiden zu lassen. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Wichtiger erscheint mir hier eine Mitsprache der Mitarbeiter bei der eigenen Aufgabengestaltung und der Ausarbeitung von Entwicklungszielen.

Autonomie ist kein Hexenwerk

Welche Formen des Mitspracherechts gibt es und welche sind besonders effektiv?

Selbstbestimmung und Autonomie können vom Unternehmen hinsichtlich Arbeitszeit und -ort ermöglicht werden. Ein höheres Mitspracherecht der Mitarbeiter kann ebenfalls durch mehr Autonomie bei der Aufgabengestaltung umgesetzt werden. Diese wirkt sich vornehmlich auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter aus, Zusammenhänge mit der Arbeitsleistung sind schwächer. Für Unternehmen können Maßnahmen hin zu einer erhöhten Selbstbestimmung trotzdem wichtig sein, gerade um als Unternehmen für Mitarbeiter wie auch für Bewerber attraktiv zu sein.

Unternehmen aufgepasst: Es besteht noch Handlungsbedarf

Wollen alle wirklich mehr Flexibilität, Mitspracherecht und weniger Arbeitsstunden?

Insgesamt legen Mitarbeiter heute etwas mehr Wert auf die Work-Life-Balance und wünschen sich mehr Autonomie und Flexibilität. Aber natürlich gibt es auch Mitarbeiter, die lieber zu festen Zeiten im Büro arbeiten oder die nur schlecht mit hoher Autonomie umgehen können, weil sie klare Grenzen bevorzugen und Unsicherheiten vermeiden möchten. In der Regel ist aber die von Unternehmen angebotene Flexibilität und Selbstbestimmung noch unter dem von den meisten Mitarbeitern gewünschten Level.

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