Kooperative Führung – warum die mentale Fitness entscheidend ist

09. September 2019
Führungskompetenz, Soft Skills
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Die Zeiten ändern sich rasant – das ist uns allen mehr als klar. Doch was bedeuten gesellschaftliche Umbrüche, technologischer Fortschritt und agile Prozesse für Ihren Führungsauftrag? Wie müssen Sie Ihre Kompetenzen verändern, um erfolgreich zu führen – oder müssen Sie diese gar neu erfinden? Führungskräfte-Coach Thierry Ball ist überzeugt, dass sich jede Führungskraft nur wieder ihrer Haltung, Verantwortlichkeit und Wahrnehmung bewusst werden muss und an diesen Stellschrauben permanent justieren sollte. Denn was in der modernen Führungswelt zählt, sind gerade die elementaren menschlichen Aspekte – und die trägt jeder in sich.

Im Interview verrät Thierry Ball deshalb mehr über die Basiselemente einer Führungskraft. Der Experte verrät Ihnen, welche Rolle die mentale Fitness für die kooperative Führung spielt und wie Sie diese mit einem einfachen Trainingsplan gezielt stärken.

Die Rolle „Führungskraft“

Herr Ball, wann ist eine Führungskraft für die Arbeitswelt 4.0 gut aufgestellt? Welche Kompetenzen müssen heute vorhanden sein?

„Gut aufgestellt“ ist die Führungskraft dann, wenn sie zu ihrer Rolle bezüglich Stellung und Positionierung über maximale Bewusstheit verfügt. Sich in der Rolle als Führungskraft wirklich klar und gewahr zu sein bedeutet in erster Linie, die Gesetzmäßigkeiten der subjektiven Wahrnehmung – wie zum Beispiel das Gesetz der Projektion, Polarität oder Resonanz – zu kennen und zu leben. In Zeiten von Digitalisierung und Co. bedeutet es mehr denn je, sich damit auseinanderzusetzen, welche Verantwortlichkeit in der Wahrnehmung und Wirklichkeit jedes einzelnen liegt. Über die Qualität einer Kommunikation und deren Bedeutung entscheidet demnach stets der Empfänger, nicht der Sender einer Botschaft. Somit haben wir selbst maximale Entscheidungsfähigkeit im Erleben dessen, was uns widerfährt – sei es eine Aussage, Handlung oder eine Begegnung.

Alles, was wir erleben, hat etwas mit dem Moment des Erlebens und somit mit uns selbst zu tun. Alles ist Zufall und begegnet uns dann, wenn es für uns als „Übung zufällt“. Es liegt also an uns selbst, wie autonom wir unseren „Er-Lebensbus“ fahren und die Dinge, die geschehen und uns begegnen, so nehmen wie sie sind und das für uns Beste daraus machen. Nur, was ist „das Beste“ für uns und wer bestimmt das? Tatsächlich sind es wir selbst über uns. Niemand sonst.

Und ein weiterer Aspekt einer heute wesentlichen Führungskompetenz ist zu beachten: Die Führungskraft kommt zunehmend in die Rolle des Begleiters und des Ermöglichers, statt in die des Kümmerers, Lösungsanbieters oder gar des Ansagers und Zielekontrolleurs – man kooperiert mit den Mitarbeitern, daher auch der Begriff „Kooperative Führung“. Aus systemischer Sicht ermöglicht die Führungskraft durch bewusste Methoden, dass sich der Geführte durch die kooperative Führung selbst entwickeln darf.

Der Faktor Authentizität

Welchen Einfluss hat die Authentizität einer Führungskraft auf ihre heutige Führungsrolle?

Aus meiner Sicht und Erfahrung den absolut wesentlichsten. Eine Führungskraft, die eine Rolle vorspielt oder „verspielt“, verbraucht zu viel Energie und Ressourcen. Zu lernen und zu wissen, wie ich als Chef authentisch werde und bleibe, hat einen weiteren, ganz wesentlichen Effekt:

Das Thema „Worklife-Balance“ hat sich weitestgehend erledigt, da keine Unterschiedsbildung mehr getroffen werden muss zwischen Beruf und Privatleben.

Als Mensch bin ich in beiden Kontexten stets der Gleiche! Wenn wir hier eine Balance wiederherstellen müssen, wurde die Dis-Balance ebenso von uns selbst inszeniert.

Die Kunst der gesunden Lebensführung

Eine Voraussetzung für die kooperative Führung ist es, selbst auf eine gesunde Lebensführung zu achten. Wie schafft man es, sich selbst richtig zu führen?

Ein zunächst bemerkenswerter Aspekt beim „richtigen“ Selbstführen ist die Tatsache, dass das, was „richtig“ ist, nur jeder selbst für sich am besten wissen kann. Überhaupt in der Selbstführung zu sein, bedeutet all das, was wir von außen an Reizen und Ereignissen angeboten bekommen, dient zu lernen, neutral und wertfrei die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Alles, was uns durch Außen widerfährt, ist zunächst neutral und bekommt erst durch unsere Bedeutungsgabe ihre Wirkung in uns – rational wie emotional.

„Gesund führen“ bedeutet, sich selbst und das Gegenüber im Plus, also im „in Ordnung sein“ zu sehen, unabhängig davon, wie das gezeigte Verhalten gerade ist. Das hat nichts mit positivem Denken zu tun, sondern mehr mit dem wertschätzenden und zugleich selbstlosen Umgang mit dem, was uns im Außen gerade begegnet und gleichzeitig der Sicht dabei auf sich selbst. Schließlich ist es grundsätzlich so: Wir selbst und die anderen sind in ihrem Verhalten immer bestmöglich, wenn wir es zeigen. Es steht uns nicht zu, Menschen zu bewerten, wenn wir für uns selbst nicht eine Antwort – sprich Verantwortlichkeit – auf unser Erleben geben können.

Der Weg zu mentaler Fitness

Sie verweisen in diesem Zusammenhang oft auf die mentale Fitness. Fitness erreicht man bekanntlich durch viel Training. Wie könnte ein Trainingsplan für mehr mentale Fitness aussehen?

Ein täglicher Trainingsplan könnte folgende Elemente beinhalten:

Kontemplieren Sie (sitzen Sie still) täglich bis zu 30 Minuten. Halten Sie inne, kommen Sie in Ihre Ruhe und Zentriertheit im Körper und nutzen Sie dabei Ihren Atem, immer wieder bei Ihnen selbst anzukommen. Kehren Sie mental um zu sich selbst: Es gibt jetzt nichts zu tun.

Machen Sie sich bei dem, was Ihnen widerfährt, bewusst, was dies gerade mit Ihnen selbst zu tun hat und welche Verantwortung und eigenes Dazutun Sie in dieser erlebten Situation gerade einbringen oder eingebracht haben. Seien Sie sich gewahr.

Schauen Sie auf sich, bleiben Sie bei sich und versuchen Sie, sich in Situationen selbst zu sehen. Sehen Sie sich? Wie genau sehen Sie sich? Wen sehen Sie dann wie? Gehen Sie auf eine außenperspektivische Ebene (Meta-Ebene) und bekommen Sie so eine Art der Verantwortlichkeit für Ihr beobachtetes Tun.

Überprüfen Sie bei allem Erlebten im Alltag Ihre dazugehörenden Überzeugungen, Glaubenssätze und Limitierungen. Woher kommen sie? Was sagen sie wirklich? Und was wäre, wenn es nicht so, sondern ganz anders wäre? Wer wären Sie dann?

Verbinden Sie sich mit der Natur. Jeden Tag. Sie steht Ihnen immer zur Verfügung. Gehen Sie in den Wald und nehmen Sie eine Walddusche, folgen Sie Ihrem natürlichen Polaritätsprinzip in sich und machen Sie eine Pause inmitten des Tagestrubels. Versuchen Sie, bewusst einen Tag zu erleben, wie er beginnt und/oder endet (Sonnenaufgang/Sonnenuntergang) und holen Sie sich ausreichend Schlaf. Gehen Sie bis 22:00 Uhr schlafen. Machen Sie es einfach! Für sich!

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