Corporate Startups, Innovation Labs und Accelerators – die neuen Ideenschmieden

13. November 2020
Digitalisierung, F&E / Innovation
0 Kommentare

Gefühlt dreht sich unsere Welt immer schneller. Eine Innovation jagt die nächste. Sicher ist: Die Welt wird sich in den nächsten zehn Jahren mehr verändern als in den vergangenen dreißig. Wie können Unternehmen da noch mithalten? Wie können Sie noch innovativ bleiben? Schließlich vergehen von der Idee bis zur Umsetzung eines Projekts oft mehrere Jahre. Nicht immer wird das Ergebnis dann noch benötigt, weil in der Zwischenzeit am Markt schon zu viel passiert ist. Was ist also die Lösung?

Startups agieren meist viel schneller als etablierte Unternehmen und können auch auf Veränderungen flexibler reagieren. Ist also die Gründung eines firmeninternen Startups für Unternehmen eine gewinnbringende Option? Und welche Varianten gibt es überhaupt? Wir klären für Sie, was die sogenannten Corporate Startups für Vorteile mit sich bringen, grenzen Begrifflichkeiten wie Innovation Labs und Accelerators für Sie ab und zeigen erfolgreiche Praxisbeispiele namhafter Unternehmen.

Corporate Startups – eine kurze Begriffserklärung

Als Corporate Startups, also firmeninterne Startups, oft auch Inkubatoren genannt, werden separate Einheiten im Unternehmen bezeichnet, die an radikalen Innovationen arbeiten. Geprägt sind diese Bereiche durch Freiheit und Agilität. Jedoch kursieren heute verschiedene Begriffe, die gerne verwechselt werden. Hier die wichtigsten erklärt:

 

Innovation Lab

In einem Innovation Lab werden Ideen (weiter-)entwickelt. Junge Pflanzen bekommen also einen geschützten Raum, wo sie ungestört vom Tagesgeschäft weiterwachsen können. Diese Labs sind meist abgekoppelt vom klassischen F&E-Prozess eines Unternehmens. Häufig wird mit Externen und Kunden zusammengearbeitet, der Schwerpunkt liegt aber auf internen Mitarbeitern.

 

Startup Accelerator

In diesem Fall arbeiten Unternehmen mit externen Startups zusammen. Meist schreiben Firmen dafür ein Projekt aus, für das sich Gründer bewerben können. Dabei ist das Projekt häufig zeitlich begrenzt und ein Produkt oder eine Dienstleistung soll entwickelt werden.

Man könnte auch sagen, dass der Startup Accelerator einem Bootcamp gleicht, in dem Unternehmen Gründern unter die Arme greifen, indem sie nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch durch Coaching, das entsprechende Netzwerk oder die Bereitstellung von Arbeitsplätzen helfen. Im Gegenzug erhalten die Unternehmen einen Anteil am Startup.

 

Inkubatoren

Diese Variante wird auch als Incubator bezeichnet und ist eng mit dem Accelerator verwandt. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Medizin, wo er einen Brutkasten für Frühgeborene beschreibt. Dies trifft im übertragenen Sinne auch auf Inkubatoren zu, denn sie bieten Startups eine Umgebung, in der diese wachsen können und optimale Bedingungen für die ersten Schritte vorfinden. Diese „Gründerzentren“ bieten Beratung, Coaching und Büroräume. Finanziert werden Inkubatoren durch Wirtschaftsfördermaßnahmen und Verbände, aber auch durch die Privatwirtschaft.

Die Vorteile auf einen Blick – darum sollten Sie auf firmeninterne Startups setzen

Wenn wir an Startups denken, kommen uns Schnelligkeit, Flexibilität oder auch Kundenzentrierung in den Kopf. Das sind gleichzeitig auch die größten Vorteile eines Corporate Startups und damit von Innovation Labs oder Accelerators.

Agilität und Schnelligkeit

Flache Hierarchien sowie fokussierte und digitalaffine Mitarbeiter machen die Entscheidungsfindung in Corporate Startups einfacher und schneller als in klassischen Unternehmen. Durch die meist überschaubare Teamgröße und kurze Entscheidungswege gelangen Ideen schneller zur Marktreife.

Fehlerkultur

Fehler gehören zum Lernen dazu. Während in alteingesessenen Unternehmen oft noch die Null-Fehler-Toleranz herrscht und dadurch Innovationskraft gebremst wird, können sich Innovation Labs ausprobieren, bei Sackgassen schneller umdrehen und neue Richtungen einschlagen.

Gewächshaus

Neue Ideen entstehen auch in klassischen Unternehmen. Doch hier geraten sie im Tagesgeschäft oft schnell wieder in Vergessenheit. Ein Lab gibt solchen Ideen hingegen den nötigen Nährboden sowie einen geschützten Raum, um wirklich wachsen zu können.

Employer Branding

Gerade für junge Fachkräfte haben alteingesessene Unternehmen ein angestaubtes Image mit viel Bürokratie. In Innovation Labs können High Potentials schnelle Erfolge erzielen und sich schnell selbst beweisen.

Nachteile und Herausforderungen – das sollten Sie bei Corporate Startups beachten

Die Vorteile liegen also auf der Hand. Doch mit welchen Herausforderungen haben Corporate Startups, egal in welcher Form, heute zu kämpfen? Diese Hürden sollten Sie vermeiden:

Mehr Schein als Sein

Kickertisch, beschreibbare Wände und bunte Büromöbel stehen für eine junge und moderne Unternehmenskultur, machen allein aber noch kein erfolgreiches Corporate Startup aus. Neben der attraktiven Hülle sollte es Strukturen und Ziele geben.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Ein Lab sollte ein Lab sein, ohne die alten Muster des Unternehmens. Starke Hierarchien, komplexe Freigabeprozesse und wenig Gestaltungsspielraum haben hier nichts zu suchen.

Kein klares Ziel

„Hier habt ihr Geld und Personal, jetzt macht mal!“ – so wird es nicht funktionieren. Damit ein Innovation Lab erfolgreich ist, benötigt es ein Ziel und damit eine spezifische Fragestellung. Welches Problem soll gelöst werden und wer wird künftig davon profitieren?

Vorsicht vor Mauern

Es sollte nicht das klassische Unternehmen auf der einen Seite und das Corporate Startup auf der anderen stehen, mit einer unüberwindbaren Mauer dazwischen. Zusammenarbeit und Austausch sind wichtig, davon profitieren beide Seiten.

Ungeduld

Ein firmeninternes Startup wird Zeit benötigen, um erste Produkte oder Dienstleistungen präsentieren zu können und diese zu implementieren. Lernen gehört dazu!

Elfenbeinturm

Arbeiten im stillen Kämmerchen und dann soll das neue Produkt in der Mutterorganisation eingeführt werden: Das wird sicher auf Widerstand stoßen und so nicht funktionieren. Ergebnisse eines Labs sollten deshalb frühzeitig präsentiert werden und ein reger Austausch mit den unterschiedlichen Abteilungen und Ansprechpartnern muss dafür ebenfalls stattfinden.

Corporate Startups in der Praxis – das sind Beispiele für Innovation Labs und Accelorators

Lab1886 (Daimler)

Das Lab1886 wurde bereits 2007 ins Leben gerufen. Der Name geht auf das Gründungsdatum des Automobilkonzerns zurück. Erfolgreiche Entwicklungen sind car2go (Carsharing), moovel (Mobilitäts-App) oder Mercedes me (Kundenportal).

Innovation@db

Die Finanzwelt setzt ebenfalls auf Innovation Labs und Startups. Bei der Deutschen Bank wird mit FinTechs zusammengearbeitet und im Labor werden eigene Ideen verfolgt.

BPW Innovation Lab

Nicht nur Großkonzerne haben die Ideenschmieden für sich entdeckt. Auch dieeser Fahrwerkhersteller hat ein Lab gegründet und möchte dort Logistikprozesse neu denken.
 

5 neue Trends: Diese Entwicklungen sollten Sie kennen

Jeden Tag lesen wir von Trends, die unvorstellbare Möglichkeiten mit sich bringen sollen. Da verliert man schnell den Überblick. Aktuell kristallisieren sich fünf Entwicklungen heraus, welche unser Leben und Arbeiten revolutionieren werden. Wir stellen diese Themen vor, damit Sie mitreden und die sich ergebenden Chancen für Ihr Unternehmen analysieren können.

Gefällt Ihnen, was Sie lesen? Teilen Sie diesen Beitrag oder hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

* Diese Felder sind erforderlich

Die Management Circle AG mit Sitz in Eschborn im Taunus ist spezialisiert auf die berufliche Weiterbildung in Form von Seminaren, Konferenzen und Kongressen für Fach- und Führungskräfte.

© Management Circle 2020