Alkohol am Arbeitsplatz: So gehen Sie professionell mit gefährdeten Mitarbeitern um

31. July 2019
Führungskompetenz, Personal
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Das Glas Bier nach Feierabend oder der Sekt zum Geburtstag eines Kollegen: Alkohol am Arbeitsplatz ist längst gesellschaftsfähig. Was aber, wenn Alkohol zum Problem für Ihr Unternehmen wird? In der Arbeitswelt ist die Zahl der Alkoholkranken nicht zu unterschätzen. Für Sie als Personaler kommt es darauf an, sich mit den möglichen Handlungsoptionen vertraut zu machen, wenn ein Mitarbeiter Suchtverhalten zeigt.

Sie tragen als Personaler eine Fürsorgepflicht

Alkohol gehört nicht zuletzt wegen seiner gesellschaftlichen Akzeptanz zu den verbreitetsten Drogen. Laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen e.V. DHS haben 15,2 Prozent der Deutschen einen riskanten Alkoholkonsum, eine Abhängigkeit liegt bei 3,4 Prozent vor. Betrachtet man die Zahl der Arbeitnehmer, so ist die Zahl sogar deutlich höher, sie liegt bei 5 Prozent. Unter den Führungskräften sind es sogar bis zu 10 Prozent.

Folgen von Alkohol am Arbeitsplatz

Diese Zahlen stellen eine große Gefahr für Unternehmen dar. Die Produktivität und der reibungslose Betriebsablauf stehen in Ihrem Interesse als Personaler, ebenso wie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter. Die Folgen von Alkoholismus sind laut Statistik der DHS e.V. enorm:

Die Zahl der Unfälle ist 3,5 Mal so hoch

Fehlzeiten steigen um das 16-fache

Es kommt zu einem Verlust der Arbeitsleistung um etwa 25 Prozent

Die betroffenen Mitarbeiter sind drei Mal häufiger krankgeschrieben

Aber wie lassen sich die Anzeichen für Alkoholsucht erkennen?

Als Personaler sind Sie vor allem auf die Kollegen und die Führungskräfte angewiesen, denn diese sind es, die erste Anzeichen für übermäßigen Alkoholkonsum wahrnehmen. Insgesamt lassen sich die Merkmale in vier Bereiche einteilen: Das veränderte Arbeitsverhalten, körperliche Auffälligkeiten, Wandel in der Persönlichkeit, auffällige Trinkgewohnheiten.

Dabei helfen Fragen wie:

Fehlt der Mitarbeiter häufiger kurzfristig, ist immer nur kurz krank oder hat Fehltage ohne Nachweis?

Findet die Person unglaubwürdige Ausreden für Fehlzeiten?

Lässt ihre Arbeitsleistung nach und ist sie unzuverlässig?

Kommt es zu Fehlern oder werden Absprachen nicht eingehalten?

Hat sich das Verhalten der Person konkret verändert?

Kommt es zu Konflikten innerhalb des Teams?

Zeigt die Person Stimmungsschwankungen?

Hat der Mitarbeiter häufiger eine Fahne, lallt oder hat Gleichgewichtsprobleme?

Zieht er sich mehr und mehr zurück?

Hat die Person schon im Privaten ihren Führerschein abgeben müssen?

Vermeidet die Person das Trinken ganz offensichtlich im Beisein anderer?

Alkohol am Arbeitsplatz: Das können Sie tun

Bieten Sie Suchtprävention und Aufklärung an

Laut Studie der DHS ist Suchtprävention eine sehr nützliche Maßnahme. Mitarbeiter und Führungskräfte lernen alles zu den Gefahren von Alkohol und werden sensibler in Bezug auf Alkoholmissbrauch. 70 Prozent der Unternehmen half die Einführung in positiver Weise, ein Fünftel der Firmen sehen die Kosten für die Einführung gedeckt durch den Erfolg. Fehlzeiten konnten reduziert werden und das Arbeitsklima hat sich verbessert. Außerdem konnten Suchtprobleme tatsächlich verringert werden.

 

Schreiben Sie Vertraulichkeit groß

Mitarbeiter und Führungskräfte sollten für die Thematik sensibilisiert werden. Sofern ein Verdacht besteht, sollte man die betroffene Person direkt ansprechen und frühzeitig um ein vertrauliches Gespräch bitten. Begegnen Sie dem Mitarbeiter mit Respekt und auf Augenhöhe und seien Sie diskret.

 

Seien Sie ein Vorbild

Als Führungskraft und Personaler sollten Sie bewusst auf Alkohol am Arbeitsplatz verzichten. Sie haben als Vorgesetzter großen Einfluss, wie Geburtstage oder Abschiede bei Ihnen im Betrieb gefeiert werden. Nutzen Sie diese Vorbildfunktion.

 

Konfrontieren Sie den Mitarbeiter

Führungskräfte und Personaler sollten den Mitarbeiter mit seinen Versäumnissen konfrontieren. Zeigen Sie Probleme konkret auf und stellen Sie klar, welche Verhaltensänderungen Sie erwarten. Darüber hinaus sollten Sie Konsequenzen aufzeigen, die bei neuen Verstößen die Folge sein werden.

 

Bieten Sie Hilfe an

Sie sind weder Therapeut noch Arzt. Daher sollten Sie keine voreilige Diagnose stellen. Vielmehr ist es hilfreich, den Kontakt zu einer professionellen Einrichtung herzustellen. Bieten Sie Ihre Hilfe an und verweisen Sie konkret auf Suchtberatungsstellen.

 

Ermöglichen Sie den gelungenen Wiedereistieg

Nach einer Therapie ist es Ihre Aufgabe, den Mitarbeiter wieder erfolgreich einzugliedern. Behandeln Sie Alkoholismus dabei wie andere chronische Krankheiten. Vielleicht kann die Person erst einmal nur Teilzeit arbeiten? Sprechen Sie dazu mit dem Mitarbeiter und lassen Sie sich gegebenenfalls über die Empfehlungen seiner Ärzte informieren.

 

Quellen:
https://www.aktionswoche-alkohol.de/presse/fakten-mythen/zahlen-und-fakten/
https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Factsheets/2019_Alkohol-am-Arbeitsplatz.pdf
https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Alkohol_am_Arbeitsplatz_BARMER.pdf

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